Ein und zwanzigstes Kapitel. Fernere Belagerungsanstalten.
1. Die in dem Kastelle Belagerten aber vertheidigten sich gegen den Feind durch mancherlei S. 262 Geschosse. Weil sie keine Steine in demselben hatten, so warfen sie brennende Klöße von Judenpech. Die Würfe erreichten ihr Ziel um so leichter, weil sie von der Höhe und gegen eine Menge geschahen. 2. Ungeachtet nun die Römischen Soldaten des Vortheils entbehrten, den Feind aus der Höhe zu bestreiten, zeigten sie doch alle Beweise von Muth und Kriegskenntnissen. 3. Denn sie warfen mit Steinen so groß sie sie in die Hand fassen konnten, und schossen nicht nur mit Bogen, sondern auch mit Wurfzeugen, die so gestellt waren, daß sie nicht nur Einen trafen, sondern zwei, drei, ja mehrere Feinde durchdrangen. 4. Weil aber die Festung auf einem Hügel lag, mit zwei Mauern und sechzehn großen Thürmen befestigt, und rings umher mit einem Graben umgeben war, der auf einer Seite den Belagerten zum Trinken brauchbares Wasser zuführte; so ließ der Kaiser die Soldaten den Graben ausfüllen, und einen so hohen Schutt auf dem Platze aufwerfen, daß er der Mauer gleich wurde. 5. Auf einer andern Seite beschloß er die Erde unter den Mauern, und zwar gegen die Mitte der innern Mauer, zu durchgraben, und hatte die Absicht, durch diese Mine die Feinde zu überfallen. 6. Da nun die Feinde diejenigen, die den Schutt aufwarfen, durch beständige Würfe beunruhigten, so nahm der Kaiser den offenen Kampf auf sich, und bediente sich verschiedener Hülfsmittel sowohl gegen die Pfeile, als gegen die Brände: 7. dem Nevitas und Gadalaiphus übertrug er die Mine und S. 263 Errichtung des Schutts. Dem Victor aber befahl er, mit Schwerbewaffneten und Reiterei die Gegend bis Ktesiphon hin zu untersuchen, damit er ― 8. zeigte sich etwas Feindliches, das den Kaiser von der Belagerung abzuziehen versuchen könnte ― jede Unternehmung durch die ihm untergebene Macht vereitelte, 9. zugleich auch den Weg bis Ktesiphon, der neunzig Stadien betrug, durch Errichtung der Brücken ihm und dem Heere erleichterte.
