Neun und fünfzigstes Kapitel.
S. 100 1. Als nun diese Unternehmung dem Theodosius so gelungen war, gieng er nach Rom, erklärte seinen Sohn, Honorius, zum Kaiser, wählte den Stilicho zum Feldherrn der dortigen Legionen, und hinterließ ihn zugleich seinem Sohn, als Vormund. 2. Hierauf rief er den Senat zusammen, der den Gebräuchen der Voreltern bisher treu geblieben war, und sich denen, die sich zur Verachtung der Götter neigten, noch nicht beigesellt hatte. Theodosius ermahnte ihn in einer Rede, den bisherigen Irrthümern, wie ers nannte, zu entsagen, und den Glauben der Christen zu wählen, der ihnen Verzeihung der Sünde und aller Gottlosigkeit verhieße. 3. Aber niemand ließ sich durch seine Ermahnung überreden, noch von den Gebräuchen abwendig machen, die sie von ihren Voreltern seit Erbauung der Stadt erhalten hatten, noch opferten sie diese einem blinden Beifalle auf. Darum, daß sie ihnen getreu blieben ― sagten sie ― bewohnen sie die Stadt nun zwölfhundert Jahre unverheert: nehmen sie aber in ihrer Religion eine Aenderung vor, so wissen sie noch nicht, was daraus entstehen würde. Theodosius antwortete ihnen: die Ausgaben für den Götterdienst und die Opfer seien der Staatskasse eine zu große Last, und er wolle sie daher aufheben, theils weil er ihr Betragen nicht billigte, theils weil das Heer eines größeren Aufwands bedürfe. 4. Ob nun gleich S. 101 der Senat erwiederte: die Opfer können nicht nach der Ordnung gebracht werden, wenn die Staatskasse die Kosten nicht dazu gebe, so wurde doch das Gesetz wegen der Opfer aufgehoben, und alles, was sie von den Voreltern erhalten hatten, gerieth in Verachtung. Das Reich der Römer, das durch Vereinzelung geschwächt war, wurde ein Wohnplatz der Barbaren, oder vielmehr, verlor zuletzt seine Einwohner gänzlich, und kam in einen solchen Verfall, daß man kaum die Stätte erkannte, wo Städte gewesen waren.
5. Doch wie alles dieses in solchen Zustand versetzt wurde, wird die folgende umständliche Erzählung klar zeigen.
6. Nachdem nun der Kaiser Theodosius alle Völker Italiens, Iberien und Gallien, überdies ganz Libyen seinem Sohne Honorius übergeben hatte, wollte er nach Konstantinopel zurückkehren, starb aber an einer Krankheit. Sein Leichnam wurde einbalsamiert, und in der kaiserlichen Gruft zu Konstantinopel beigesetzt.
Ende des vierten Buchs.
