Achtes Kapitel. Attalus bekriegt den Honorius, der schon von Ravenna fliehen will.
1. Furcht machte den Honorius ganz bestürzt. Er schickte Gesandte, mit dem Antrage: sie wollen das Reich gemeinschaftlich regieren. Jovius aber,1 der von Attalus als Präfekt des Prätoriums aufgestellt war, antwortete: nicht einmal S. 210 den Namen eines Kaisers werde Attalus ihm lassen, ja nicht einmal seinen Leib unversehrt, sondern eine Insul zur Wohnung anweißen, und ihn überdieß an einem Theile seines Körpers verstümmeln. Jedermann staunte über den Uebermuth dieser Rede. Schon war Honorius zur Flucht bereit, und hatte zu diesem Zwecke eine nicht geringe Anzahl von Schiffen in dem Hafen von Ravenna zusammengebracht, als sechs Kohorten Soldaten, die man noch zur Lebenszeit Stilichos erwartet hatte, in den Hafen einliefen. Izt kamen sie, aus dem Morgenland an, ungefähr vier tausend Mann. 3. Wie aus einem tiefen Schlaf erwacht, vertraute nun Honorius diesen Ankömmlingen die Bewachung der Mauern an, und beschloß, in Ravenna zu bleiben, bis sichere Nachrichten aus Libyen bekannt würden: 4. und dann erhielte Heraklianus die Oberhand, und gewännen die dortigen Umstände Sicherheit, den Attalus und Alarich mit der ganzen Macht zu bekriegen: sollten aber die von ihm abgeschickten Völker Verlust leiden, mit den vorhandenen Schiffen zum Theodosius im Morgenlande abzusegeln, und sich des abendländischen Reichs zu begeben.
Nach dem Auftritte B. 3. K. 49. hatte er sich nicht mehr getraut, bei Honorius zu bleiben sondern gieng zu Alarich über. Da er nun die schwache Seite des Kaisers kannte, so verstärkte er die Drohungen des Attalus. Denn von Verstümmelung hatte dieser nichts gesagt, s. das 9te Kap. ↩
