29. Canon. Auf die über dem Altare dargebrachten eucharistischen Opfergaben ist wohl zu achten, damit Nichts in den hl. Kelch falle, den kommunicirenden Priestern oder Gläubigen Nichts von den hhl. Hostien zur Erde falle und ein boshafter Geist sich ihrer bemächtige. Hinter dem Vorhange darf nichts Anderes als Gebete gesprochen werden. Nach der Laien-Communion sind Psalmen zu beten (Surrogat für die alttestamentlichen Schellen). Über das Kreuzzeichen. Der Altarstaub ist in das Sacrarium zu werfen.
S. 34 Die Kleriker, wenn sie nicht sonst beschäftigt sind, sollen, wenn der Altar (zur Vollbringung des Opfers) hergerichtet ist, in der Nähe desselben stehen. Der eine stehe da und gebe Acht, daß keine Fliege darauf fliegt und Nichts in den Kelch fällt; daraus würde ein großes Verbrechen für die Priester entstehen. Deßhalb soll Einer den hl. Ort bewachen. Wer aber das Sakrament austheilt, und die es empfangen, haben mit aller Wachsamkeit sich zu hüten, daß Nichts auf die Erde falle, damit der böse Geist nicht Gewalt bekomme, Jenen anzufallen.1
Innerhalb des Vorhangs soll Niemand etwas Anderes als Gebete, und was zum Kultus erforderlich ist, sprechen, sonst durchaus Nichts. An jenem Orte soll keinerlei Arbeit verrichtet werden. Sind die Priester und Diakonen mit der Kommunion des Volkes fertig, so treten sie ein (in den Chor), um (die Psalmen) zu beten. Überhaupt zu jeder Zeit und zu jeder Stunde, wo sie eintreten, sollen sie sich wegen der Erhabenheit des Ortes der Psalmen statt der Schellchen bedienen, die am Oberkleid des Aaron waren.2 Niemand soll sich dann setzen, sondern beten und nichts S. 35 Anderes thun, die Kniee beugen und sich vor dem Altare niederwerfen. Den Staub, der mit Besen am hl. Orte zusammengekehrt wird, werfe man in das Wasser des wellenreichen Meeres, damit nicht von den Menschen auf ihm herumgetreten werde und der hl. Ort zu jeder Zeit rein sei.
Bezeichne (o Christ) deine Stirn mit dem Kreuzzeichen, um den Satan zu besiegen und dich deines Glaubens zu rühmen. Das that Moses mit dem Lammblute, mit dem er die Thürschwellen und Pfosten bestrich, wodurch die innerhalb derselben Wohnenden gerettet wurden; um wie viel mehr wird das Blut Christi Diejenigen reinigen und beschützen, die an ihn glauben und das Abbild der Erlösung des ganzen Erdkreises (auf die Stirne) machen, welches Abbild durch das Blut des vollkommenen Lammes, d. h. Christi, auf alle Geheimnisse sich bezieht wegen des Lebens, der Auferstehung und des Opfers (Christi.)3 Dieses verstehen aber nur die Christen, welche das Siegel der Taufe empfangen haben und in die Gemeinschaft aufgenommen sind.
„Wir sind ängstlich besorgt,“ sagt Tertullian de corona 3, „daß von unserem Kelche und Brode Etwas auf die Erde verschüttet werde.“ ↩
S. II. Buch Moses 28, 31 u. f.; 39, 22 u. f. ↩
Der Sinn dieser dunklen Stelle ist vielleicht dieser: das Kreuzeszeichen, welches an den welterlösenden Opfertod erinnert, hat seine Kraft aus dem vergossenen Blute Jesu und kommt bei Spendung aller Geheimnisse (Taufe, Firmung, Eucharistie u. s. w.) in Anwendung behufs Zuwendung der Verdienste des Lebens und Leidens Jesu. ↩
