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Werke Hippolytus von Rom (170-235) Refutatio omnium haeresium Widerlegung aller Häresien (BKV)
Buch IX.

11.

Diese Irrlehre befestigte Kallistus, ein im Bösen wohlerfahrener und im Irreführen geschickter Mann, der dem bischöflichen Sitze nachjagte. Den Zephyrinus, einen ungelehrten und ungebildeten Mann, der die kirchlichen Verordnungen nicht kannte, Geschenken zugänglich und geldgierig war, brachte er, zu was er wollte, S. 245 indem er ihn durch Geschenke und verbotene Forderungen gewann. So bewog er ihn, immer Streitigkeiten unter den Brüdern zu erregen; er selbst aber wußte sich dann beide Parteien mit schlauen Redensarten geneigt zu machen, indem er bald die Rechtgläubigen damit täuschte, daß er für seine Person, wie sie zu denken vorgab, bald wieder dieselbe Versicherung Anhängern des Sabellius gab. Letzteren hat er am Gewissen, denn Sabellius hätte noch zurecht kommen können1. So oft wir den Sabellius zurechtwiesen, war er nicht verstockt; bei Einzelverhandlungen mit Kallistus aber wurde er von letzterem dazu gebracht, sich auf die Seite des Kleomenes zu neigen, da dieser des Kallist Ansichten vertrete. Sabellius durchschaute damals des Kallistus Schurkerei nicht, später erkannte er sie, wie ich es bald erzählen werde. Kallist übte auf Zephyrin einen Druck aus und veranlaßte ihn, offiziell zu erklären: „Ich kenne einen Gott Jesus Christus und außer ihm keinen anderen gezeugten und leidensfähigen“2. Kallist erklärte dann wieder: „Nicht der Vater ist gestorben, sondern der Sohn.“ So unterhielt er immerwährenden Streit im Volke. Da wir seine Ansichten kennen gelernt hatten, fügten wir uns nicht, sondern leisteten Widerstand um der Wahrheit willen; da kam er ganz von Sinnen, weil wir uns dem Heuchler nicht anschlossen im Gegensatz zu allen anderen3, und nannte uns ohne Bedenken Ditheisten und spie so kräftig den Giftsaft aus, den er im innersten Herzen trug. Es scheint uns wünschenswert, seinen Lebenslauf darzulegen; er war unser Zeitgenosse; durch Aufdeckung seines Lebenswandels wird die von ihm gegründete Sekte leicht durchschaut und von denen, die gesunden Menschenverstand haben, alsbald verworfen werden. Dieser Mann bestand ein S. 246 Martyrium unter dem römischen Stadtpräfekten Fuscianus. Sein Martyrium spielte sich freilich folgendermaßen ab.


  1. Überlieferte Lesart. ↩

  2. Die erste, uns überlieferte feierliche Entscheidung in Glaubenssachen durch den Bischof von Rom. Formell klingt sie stark an das (wohl aus Karthago stammende) edictum peremtorium Tertullians an, was auf einen damals schon bestehenden „Kurialstil“ und somit auf das Bestehen bischöflicher Kanzleien hinweist. ↩

  3. Hier sind Verhandlungen Kallists mit Hippolyt angedeutet. ↩

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Widerlegung aller Häresien (BKV)

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