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Homilien über die Bildsäulen (BKV)
1.
Mit denselben einleitenden Worten, mit denen ich gestern und vorgestern begonnen, will ich auch heute beginnen; ich rufe auch jetzt: „Gott sei gepriesen!” Was haben wir am vergangenen Mittwoch 1 gesehen, und was haben wir am heutigen Mittwoch vor Augen? Wie finster war es doch damals! Welche Ruhe am heutigen Tage! An jenem Tage hat der furchtbare Richterstuhl in unserer Stadt die Herzen Aller erschüttert und bewirkt, daß der Tag nicht besser war wie die Nacht, nicht weil die Sonne erloschen, sondern weil Trauer und Furcht eure Augen verdunkelt. Damit also auch wir ein desto größeres Vergnügen empfinden, will ich die Vorfälle in Kürze erzählen; denn ich sehe, daß ihre Schilderung sowohl euch als der gesammten Nachwelt zuträglich ist. Ist es ja auch für Diejenigen, welche einem Schiffbruch entrannen, ein wahres Vergnügen, an die Wogen, den Sturm, die Winde zu denken, nachdem sie den Hafen erreicht; drängt es ja auch Diejenigen, die in eine Krankheit gefallen, nach derselben Andern ihre Fieber zu schildern, durch welche sie bald eine Beute des Todes geworden; denn ist das Unglück vorüber, so gewährt uns die Erinnerung an dasselbe Vergnügen, indem die Seele sich nimmer fürchtet, sondern einen größern Frohsinn empfindet; denn die Erinnerung an die vergangenen Stürme bewirket ja immer, daß man die gegenwärtige Ruhe besser zu würdigen weiß. Aus Furcht also und wegen der Drohungen war der größte Theil der Einwohnerschaft in die Einöden, S. 261 in die Klüfte der Berge und in verborgene Höhlen gewandert, da sie der Schrecken von allen Seiten her drängte. In den Häusern waren keine Weiber, auf dem Markt keine Männer; kaum sah man zwei oder drei sich auf demselben ergehen, und selbst diese schlichen wie lebendige Leichen herum. Wir begaben uns in das Gerichtshaus, um den Ausgang der Sache zu sehen, erblickten dort die gesammten Überbleibsel der Einwohnerschaft und erstaunten am allermeisten darüber, daß das tiefste Stillschweigen herrschte, als wäre Niemand zugegen, obgleich die Menge an den Thoren verweilte: Alle schauten sich einander nur an; Keiner wagte es, seinen Nachbar um Etwas zu fragen, ja nicht einmal von demselben Etwas zu hören, weil Jedem der Nachbar verdächtig vorkam; denn es waren schon Viele gegen alle Erwartung mitten vom Markte fortgeschleppt und eingesperrt worden. Wir blickten alle zusammen zum Himmel hinauf, hoben stillschweigend die Hände empor und erwarteten Hilfe von oben; wir flehten zu Gott, er möge Denen, die ihr Urtheil zu gewärtigen hatten, seinen Beistand verleihen, die Herzen der Richter erweichen und so ein gnädiges Urtheil bewirken. Und gleichwie Diejenigen, welche vom Land aus die Schiffbruchleidenden sehen, sich diesen nicht nähern, nicht die Hand reichen und von den Wogen gehemmt ihr Unglück nicht erleichtern können, aber doch von fernem Strande ihre Hände ausbreiten und unter Thränen Gott bitten, denen, die sich in den Wellen befinden, Beistand zu leisten: so riefen auch hier Alle stillschweigend Gott an und flehten, daß er Denjenigen, die vor Gericht standen und gleichsam von Wogen bedroht waren, die Hand reiche, das Schiff nicht versinken und das Urtheil der Richter nicht zu einem vollendeten Schiffbruch ausschlagen lasse. Und das ging ausser den Thoren vor sich; als wir in den innern Hofraum eintraten, so erblickten wir wieder andere Dinge, die schrecklicher waren als jene: mit Schwertern und Keulen bewaffnete Krieger, die den Richtern drin volle Ruhe verschafften. Denn da sich alle Angehörigen derselben, sowohl Weiber als Mütter und Töchter und Väter, vor den Thüren des Gerichtshofes aufgestellt hatten, S. 262 so hielten die Soldaten alle im Voraus zurück und erfüllten ihre Herzen mit Schrecken, damit, wenn etwa einer zum Tode geführt würde, Niemand durch das traurige Schauspiel entflammt irgend einen Lärm und Aufruhr erwecke. Den allertraurigsten Anblick bot die Mutter und Schwester eines von Denen, die drinnen vor Gericht standen; sie hatten sich auf den Boden geworfen und lagen gerade vor der Thüre der Richter, für alle Anwesenden ein gemeinsames Schauspiel! Ihr Gesicht war verhüllt, und sie schämten sich nur in soweit, als es ihnen die Noth des Elends erlaubte. Keine Magd stand ihnen zur Seite, keine Nachbarin, keine Freundin, keine andere Verwandte, sondern allein lagen sie da in schlechtem Gewände mitten unter so vielen Soldaten, schleppten sich auf dem Boden dahin bis an die Thüren und erduldeten größere Qual als Diejenigen, über die man drinnen Gericht hielt: sie hörten die Stimme der Henker, die Schläge der Geissel, den Jammer der Gegeisselten, das furchtbare Drohen der Richter, und bei der Geisselung jedes einzelnen Mannes litten sie herbere Schmerzen als Jene; denn es war ja zu fürchten, daß durch die Aussagen der Einen die Verbrechen (der Andern) ans Tageslicht kämen. Hörten sie nun, daß Einer gegeisselt wurde, damit er die Schuldigen nenne, und daß er heulte, so sahen sie gen Himmel und flehten Gott an, ihm Kraft und Geduld zu verleihen, damit nicht das Wohl ihrer Verwandten durch die Schwachheit Derer preisgegeben werde, welche den grimmigen Schmerz der Geisselstreiche nicht auszuhalten vermöchten. Und da erging es ihnen gerade wieder wie Denen, die sich in einem Sturme befinden. Denn gleichwie diese, wenn sie eine Woge erblicken, die sich von der Ferne erhebt und nach und nach immer mehr thürmt und das Schiff in den Abgrund zu schleudern droht, schon vor Furcht leichenblaß werden, ehe sie noch das Fahrzeug erreicht: so erging es auch jenen (zwei) Frauen: so oft sie Geschrei und Geheul an ihr Ohr schlagen hörten, fürchteten sie, es möchten Diejenigen, die gezwungen Zeugniß ablegen sollten, durch die Martern erschöpft gegen einen ihrer Angehörigen S. 263 eine Aussage machen, und sahen so vor ihren Augen tausendfältigen Tod. Man gewahrte Martern von innen, Martern von aussen; denn Jene quälten die Henker, Diese die Macht der Natur und ihr herzliches Mitleid: Jammer von innen, Jammer von aussen, drinnen von Seite der Beklagten, draussen von der ihrer Verwandten. Ja nicht diese allein, sondern selbst die Richter weinten im Herzen und litten größere Qualen als Alle, da sie bei einem so peinlichen Trauerspiel ihr Amt handeln mußten. —
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Τετράς — seit der Zeit des Clemens von Alexandrien nach dem kirchlichen Sprachgebrauchs feria quarta. (Siehe Montfauc. Prefatio in XXI. hom. ad pop. Antiochen. Tom. II. pag. XIV.) ↩
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Homilies of St. John Chrysostom
9.
But, says some one, "We have no fear of dying by violence, but of dying unjustly; and of being punished in a similar way with the guilty,--we who have had nothing to do with the crimes of which we are suspected." What sayest thou, tell me? Art thou afraid of dying unjustly, and wouldest thou wish to die justly. But who is there so wretched and miserable, that when he had the alternative of dying unjustly, would rather depart by an act of justice? For if it be necessary to fear death, it is necessary to fear it when it comes upon us justly; since he indeed who dies unjustly, is by this very means made a partaker with all the saints. For many of those who were approved and distinguished by God, have been subjected to an unjust end; and first of all Abel. For it was not that he had sinned against his brother, or done Cain any harm; but inasmuch as he had honoured God, therefore was he slaughtered. But God permitted it. Was it, think you, because He loved him, or because He hated him? Most clearly, because He loved him, and wished to make his crown the brighter, by that most unjust murder. Seest thou then, that it becomes us not to be afraid of dying by violence; nor yet of dying unjustly; but of dying in a state of sin? Abel died unjustly. Cain lived, groaning and trembling! Which then, I would ask, was the more blessed of the two; he who went to rest in righteousness, or he who lived in sin; he who died unjustly, or he who was justly punished? Would you have me declare unto your Charity, whence it is that we are afraid of death? The love of the kingdom hath not penetrated us, nor the desire of things to come inflamed us: otherwise we should despise all present things, even as the blessed Paul did. Add to this, on the other hand, that we do not stand in awe of hell; therefore death is terrible. We are not sensible of the unsufferable nature of the punishment there; therefore, instead of sin, we fear death; since if the fear of the one held possession of our souls, the fear of the other would not be able to enter.