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Works John Chrysostom (344-407) Homilien über den ersten Brief an die Korinther (BKV)
Neunundzwanzigste Homilie

VI.

Darum schäme ich mich, daß es unter den thörichten Heiden Männer gab, die diese Weisheit, wenn auch nicht in der That, so doch in ihren Aussprüchen lehrten und es einsahen, daß das Gegenwärtige hinfällig ist, während hingegen bei uns Manche Dieses nicht einmal wissen und darüber ganz verkehrt urtheilen, da uns doch die Schrift überall zuruft und sagt: „Vernichtet wird vor seinem Angesicht, wer Böses thut; Die aber den Herrn fürchten, verherrlicht er.1 Die Furcht des Herrn übertrifft Alles.2 S. 510 Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn darin besteht der ganze Mensch!3 Werde nicht eifersüchtig auf Bösewichte und fürchte nicht, wenn der Reichthum des Menschen sich mehrt.4 Alles Fleisch ist wie Heu, und wie des Grases Blume seine Herrlichkeit.“5 Obgleich wir diese und ähnliche Aussprüche tagtäglich hören, kleben wir doch noch am Irdischen. Und gleichwie unwissende Kinder, die schon tange die Buchstaben lernen, sobald man sie in verkehrter Ordnung abfragt, den einen statt des andern nennen und so lautes Lachen erregen, so fasset auch ihr beiläufig es auf, wenn wir euch die Sache der Ordnung nach darstellen; sobald wir aber euch ausser dem Zusammenhange theilweise fragen, welche Dinge den ersten, welche den zweiten Rang einnehmen, und welche den andern nachstehen sollen, so wißt ihr es nicht und machet euch lächerlich. Oder sage mir, ist es nicht lächerlich, wenn wir, die wir eine Unsterblichkeit und jene Güter erwarten, die kein Auge gesehen, kein Ohr gehört hat, und die in keines Menschen Herz gekommen sind, uns um die gegenwärtigen zanken und sie als beneidenswerth ansehen? Denn wenn du erst Das noch lernen mußt, daß der Reichthum nichts Großes ist, daß die gegenwärtigen Güter Nichts sind als Schatten und Traum, daß sie wie Rauch zergehen und verschwinden, so betritt den Tempel nicht, bleib in der Vorhalle; denn du bist noch nicht würdig, in das Himmelreich einzugehen. Denn wann wirst du diese Dinge verachten, wenn du ihr unstetes Wesen und ihre beständige Hinfälligkeit noch nicht zu unterscheiden verstehst? Sagst du mir aber, daß du Dieß wissest, so höre doch auf, ängstlich und unruhig zu forschen, warum Dieser reich. Jener aber arm sei! Denn Das heißt gerade soviel, als Umfrage halten, warum der Eine weiß, der Andere schwarz sei, warum Jener eine Adler-, Dieser eine Stumpfnase habe. So wenig uns Das S. 511 angeht, ob es so oder anders sei, eben so wenig, ja noch weniger geht es uns an, ob ein Mensch arm, oder ob er reich sei. Alles kommt auf den Gebrauch an, den man von der Sache macht. Bist du arm, aber dabei weise, so kannst du ruhigen Herzens dahinleben; bist du aber reich und fliehest die Tugend, so bist du der allerunglückseligste Mensch. Denn auf Das sollen wir unser Augenmerk richten, was auf die Tugend Bezug hat; wo diese uns fehlt, da nützt uns alles Andere Nichts. Daher kommen denn auch die häufigen Fragen, weil gar Viele Das für wichtig erachten, was eigentlich gleichgiltig ist, und Das mißachten, was für sie von Wichtigkeit wäre. Weisheit und Tugend sind es, worauf wir Gewicht legen sollen. Weil ihr aber so weit davon absteht, so entsteht hieraus schiefes Urtheil, Verwirrung und Sturm. Denn haben die Menschen jene ewige Herrlichkeit und die Liebe zum Himmel verloren, so jagen sie dem vergänglichen Glanz nach und werden Sklaven und Gefangene. Und woher kommt es denn, fragt man, daß wir diesem Glanze nachstreben? Weil wir uns um jene (Herrlichkeit) nicht viel bekümmern. Und woher kommt denn diese Sorglosigkeit? Aus Nachlässigkeit. Und woher die Nachlässigkeit? Aus Verachtung. Und woher die Verachtung? Daher, daß wir thöricht sind und an dem Gegenwärtigen kleben und die Natur der Dinge nicht gründlich zu erforschen bemüht sind. Und woher kommt denn Das? Daher, weil wir weder aufmerksam sind auf Dasjenige, was aus der heiligen Schrift vorgelesen wird, noch mit heiligen Männern umgehen, sondern die Gesellschaften der Bösen besuchen. Damit nun Dieses nicht immer so fortwähre, und Fluth auf Fluth uns bestürme und uns in ein Meer von Übeln begrabe, darin ersäufe und vollends verderbe; so lasset uns, so lang es noch Zeit ist, uns erheben und auf dem Felsen, auf Gottes Lehre und Wort, feststehen und den Sturm des gegenwärtigen Lebens verachten. Denn so werden wir demselben sowohl selber entrinnen, als auch Andere aus dem Schiffbruche retten und der zu- S. 512 künftigen Güter theilhaftig werden durch die Gnade und Menschenfreundlichkeit unseres Herrn Jesus Christus, dem sammt dem Vater und dem heiligen Geiste sei Ruhm, Herrschaft und Ehre jetzt und allezeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. S. 513


  1. Ps. 14, 4. ↩

  2. Ekkli. 25, 14. ↩

  3. Ekkli. 12, 13. ↩

  4. Ps. 48, 17. ↩

  5. Is. 40, 6. ↩

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Commentaire sur la première épitre aux Corinthiens Compare
Homilien über den ersten Brief an die Korinther (BKV)

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