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Werke Johannes Chrysostomus (344-407) In epistulam i ad Corinthios argumentum et homiliae 1-44 Homilien über den ersten Brief an die Korinther (BKV)
Achtunddreissigste Homilie.

V.

Betrachte aber, wie groß seine Demuth ist! Denn er begnügt sich nicht, zu sagen: „Zuletzt unter Allen erschien er auch mir;“ denn es heißt ja auch, daß Viele, welche die Letzten sind, die Ersten, und die Ersten die Letzten sein werden.1 Darum setzt er hinzu: „gleichsam als der Fehlgeburt.“ Aber auch Das genügt ihm noch nicht, sondern er spricht über sich selber das Urtheil sammt der Begründung:

9. Denn ich bin der Mindeste der Apostel, der ich nicht würdig bin, Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe.

Er sagt nicht: der Zwölf allein, sondern auch aller Andern. Dieses alles spricht er, wie gesagt, sowohl aus Bescheidenheit, als auch in der Absicht, den folgenden Worten den Weg zu bahnen und ihnen geneigte Aufnahme zu verschaffen. Denn wäre er aufgetreten und hätte gesagt: Ihr müßt mir glauben, daß Christus auferstanden ist; denn ich habe ihn gesehen, und ich verdiene mehr Glauben als S. 674 alle Anderen, weil ich mehr als sie gearbeitet habe; so würde diese Sprache seine Zuhörer beleidiget haben. Da er nun aber vorerst zu seiner eigenen Erniedrigung und Anklage redet, beugt er jeder harten Auslegung vor, und bereitet seiner Aussage gläubigen Beifall. Darum nennt er sich, wie schon gesagt, nicht bloß den Mindesten der Apostel, und nicht würdig, daß er Apostel genannt werde, sondern gibt auch die Ursache an mit den Worten: „weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe.“ Nun, alle jene Sünden waren vergeben, er aber vergaß ihrer nie, und wollte zeigen, wie sehr er begnadigt worden. Darum fügt er die Worte hinzu:

10. Durch Gottes Gnade aber bin ich, was ich bin.

Siehst du einen neuen Beweis tiefster Demuth? Denn die Vergehen schreibt er sich selber, von dem Guten aber sich selber Nichts zu, sondern schreibt er Alles Gott zu. Um aber seine Zuhörer dadurch nicht läßig zu machen, sagt er weiter: „Und seine Gnade ist in mir nicht fruchtlos gewesen, sondern ich habe reichlicher denn sie Alle gearbeitet.“ Und auch da zeigt er sich wieder bescheiden: denn er sagt nicht: Ich habe einen solchen Fleiß angewendet, der dieser Gnade würdig war, sondern: „sie ist nicht fruchtlos gewesen, sondern ich habe reichlicher denn Alle gearbeitet.“ Er konnte der Gefahren und Todesnöthen erwähnen; er sagt aber nur: „ich habe gearbeitet,“ und sagt damit weniger, als er sagen könnte. Mit gewohnter Bescheidenheit eilt er schnell darüber hinweg und schreibt wieder Alles Gott zu, indem ersagt: „nicht aber ich, sondern die Gnade Gottes mit mir.“ Welch’ eine bewunderungswürdige Seele! Er hatte sich so tief erniedrigt und nur das eine Ruhmvolle von sich erzählt, und nun sagt er, auch Dieses gehöre nicht ihm an, und sowohl durch das Vorhergehende als durch das Nachfolgende schränkt er es ein, obwohl er S. 675 genöthigt ist, von sich so zu reden. Betrachte, wie reich er ist an demüthigen Ausdrücken! „Mir,“ sagt er, „ist er zuletzt erschienen;“ darum stellt er keinen Andern neben sich hin; und: „gleichsam der Fehlgeburt;“ und er nennt sich den Mindesten der Apostel, und nicht werth dieser Bezeichnung! Ja, damit noch nicht zufrieden, sucht er, um nicht bloß in Worten demüthig zu erscheinen, auch Beweise anzuführen, daß er einer Fehlgeburt gleiche, weil er Jesum zuletzt sah, daß er des Apostelnamens unwürdig sei, weil er die Kirche Gottes verfolgte. Denn wer von sich nur, erniedrigende Worte gebraucht, ist darum noch nicht demüthig; wer aber auch die Gründe (der Erniedrigung) anführt, der spricht Alles mit zerknirschtem Herzen. Daher gedenkt er auch anderswo dieser Vergebungen, indem er spricht: „Dank weiß ich Dem, welcher mich gekräftiget hat. Christo, daß er als getreu mich erachtete, und zum Amte bestellte, der ich früher ein Lästerer, ein Verfolger, ein Frevler gewesen.“2 Warum hat er denn aber das stolze Wort gesprochen: „Ich habe reichlicher denn sie gearbeitet“? Er sah sich durch die Umstände dazu genöthigt. Denn hätte er nicht so geredet, sondern nur niedrig über sich selber gesprochen, wie hätte er dann mit Freimuth und Zuversicht sich als Zeuge hinstellen, sich den Andern beizählen und sagen können: „Sei es nun ich, seien es Jene; so predigen wir?“ Denn ein Zeuge muß glaubwürdig sein und Ansehen haben. Wie er aber reichlicher als die Andern gearbeitet habe, zeigt er oben mit den Worten: „Haben wir nicht Befugniß, zu essen und zu trinken, wie die übrigen Apostel?“ Und wieder: „Ich bin Denen, die ohne Gesetz sind, geworden, als wäre ich ohne Gesetz.“3 Denn wo Fleiß und strenge Sorgfalt erforderlich war, da übertraf er Alle; wo sich aber Herablassung ziemte, da zeigte er auch diese in reichlichem Maße. Einige sagen, er sei zu den Heiden gesandt worden, und habe einen großen Theil der Erde durchwandert. S. 676 Daraus ist ersichtlich, daß er sich auch einer größern Gnade erfreute; denn wenn er mehr gearbeitet hat, so war auch die Gnade größer; er erfreute sich aber einer größern Gnade, weil er größern Eifer bewies. Siehst du, wie er sich eben dadurch als den Ersten von Allen erweift, daß er seinen Vorzug zu verbergen und in Schatten zu stellen bemüht ist?


  1. Matth. 19, 30. ↩

  2. I. Tim. 1, 12. 13. ↩

  3. I. Kor. 9, 4. 21. ↩

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Homilien über den ersten Brief an die Korinther (BKV)

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