IV.
Siehst du den Lohn des Tanzes, siehst du die Beute der diabolischen Arglist? Nicht das Haupt des Johannes meine ich, sondern ihn selbst, den königlichen Buhlen. Denn betrachtet man die Sache genau, so ist das ein Siegesmal gegen den König und eine Niederlage der Siegerin; und um die Stirne des Enthaupteten flicht sich der Kranz; er allein steht im Glanz des Sieges und erschüttert nach dem Tode nur um so mehr das Gewissen der Schuldigen. Und daß dieses nicht leere Worte sind, so frage nur ihn selbst, den Herodes. Denn als er von den Zeichen Christi hörte, da sprach er: „Dieser ist Johannes; der ward von den Todten erweckt, und darum wirken die Kräfte in ihm.“1 So lebhaft war in ihm die Furcht, so beständig seine Angst; und Niemand vermochte ihm die Schrecken des Gewissens zu benehmen, immerfort ängstigte ihn dieser unbestechliche Richter und verlangte mit jedem Tage neue Sühne für das vergossene Blut.
Indem wir nun Dieses wissen, so fürchten wir uns denn nicht, Übles zu leiden, sondern Übles zu thun; denn das Eine ist Sieg, das Andere Niederlage. Darum sprach auch Paulus: „Warum laßt ihr euch nicht lieber beein- S. 451 trächtigen? Ihr vielmehr beeinträchtigt und beraubt, und noch dazu Brüder.“2 Denn auf das Leiden des Unrechts gründen sich die Kränze und Preise und der Ruhm des Sieges. Und Das kann man bei allen Heiligen sehen. Nachdem sie nun alle auf diese Weise die Krone verdient, auf diese als Sieger ausgerufen wurden, so wollen auch wir diesen Weg wandeln; und beten mögen wir wohl, daß wir nicht in Versuchung kommen; wenn aber die Versuchung da ist, so laßt uns männlich stehen und die gebührende Entschlossenheit zeigen, damit wir der künftigen Güter theilhaftig werden durch die Gnade und Güte unseres Herrn Jesus Christus, mit welchem dem Vater zugleich mit dem heiligen Geiste Ruhm, Macht und Ehre jetzt und immer und zu ewigen Zeiten. Amen.