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Werke Johannes Chrysostomus (344-407) In epistulam ii ad Corinthios argumentum et homiliae 1-30 Homilien über den zweiten Brief an die Korinther (BKV)
Zweite Homilie.

VII.

Fürwahr, eine herrliche Kette, in der Glied an Glied sich fügt, fester und schmuckvoller als irgend eine goldene Kette. Zuerst bitten wir um gotterfüllten Sinn. Und wie erlangen wir diesen? Wenn wir immerdar unsere Gedanken auf das Göttliche richten. Und wie erreichen wir das? Wenn wir Acht haben auf das Gesetz. Und wie lassen die Menschen sich dazu bewegen? Wenn sie Gottes Gebote halten. Oder vielmehr: Wenn wir Acht haben auf das S. 45 Gesetz, so werden wir auch die Gebote halten, und wenn wir gotterfüllten Sinn haben, so werden auch unsere Gedanken beim Göttlichen sein. So ist also vom Gesagten jedes Grund und Folge vom andern, es hält das nächste Glied und wird von diesem gehalten.

„Laßt uns noch inbrünstiger für sie beten.“ Bei langem Reden pflegt die Seele schläfrig zu werden; darum diese neue Ermunterung. Denn wieder will der Diakon um Großes und Hohes für die Katechumenen bitten; deshalb spricht er: „Laßt uns noch inbrünstiger für sie beten.“

„Daß er sie herausnehme aus jedem bösen und ungeziemenden Werke.“ Hier beten wir für die Katechumenen um Bewahrung vor Versuchung und Befreiung von aller Nachstellung, mag sie gegen den Leib oder die Seele sich richten. Darum schließt sich sogleich an. „Von jeder diabolischen Sünde und von aller Umgarnung des Widersachers,“ womit die Versuchungen und die Sünden gemeint sind.

Denn leicht umgarnt uns die Sünde, von allen Seiften umlagert sie uns, im Angesichte, im Rücken, und so bringt sie uns zum Falle. Darum wurde zuerst gesagt, was von unserer Seite geschehen muß, nämlich daß wir im göttlichen Gesetze verweilen, uns Gottes Gebote gegenwärtig halten und seine Anordnungen beobachten sollen. Und jetzt werden wir belehrt, daß auch Das nicht genügt, wenn nicht Gott selbst mit seinem Beistande hilft. Denn „baut nicht der Herr das Haus, dann mühen sich vergeblich, die es bauen.“1 Das gilt insbesondere von Denen, die noch dem Satan bloßgestellt sind, die noch unter seiner Herrschaft stehen. Ihr wißt Das ja, ihr Eingeweihten. Erinnert euch nur jener Worte, durch die ihr seiner Ge- S. 46 waltherrschaft entsagtet und das Knie beugend übergetreten seid zum Könige, und wo ihr jene schauerlichen Worte gesprochen habt, die uns anweisen, dem Satan in Allem und für immer zu widersagen. Widersacher wird er genannt und Ankläger (διάβολος). Denn bald verklagt er Gott vor den Menschen, bald uns vor Gott und bald uns unter einander. Jetzt verklagt er Job vor Gott und sagt: „Job dient doch nicht ohne Entgelt dem Herrn.“2 Jetzt Gott vor Job, indem er spricht: „Feuer ist vom Himmel gefallen.“ Bald verklagt er Gott vor Adam, als er sprach, es würden ihnen die Augen aufgehen; und vor vielen unserer Zeitgenossen verklagt er Gott, wenn er ihnen vorspiegelt: Gott kümmert sich nicht um die irdischen Dinge, Dämonen hat er die Sorge für euch überlassen. So hat er auch vor der Mehrzahl der Juden Christum verleumdet und ihm Trug und Täuschung zum Vorwurfe gemacht. — Aber die Weise, wie der Satan zu Werke geht, möchte vielleicht Mancher gerne hören. Wenn er einen Sinn findet, der nicht gotterfüllt, wenn eine Seele, die nicht nüchtern ist, nicht an Gottes Gesetz denkt, nicht Gottes Gebote hält, die packt er sich als Beute und eilt von dannen. Ja, hätte Adam an das Gebot gedacht: „Von jedem Baume darfst du essen,“ hätte er auf die Drohung geachtet: „An welchem Tage ihr esset, müßt ihr sterben,“ so hätte er sich seine Schicksale erspart.

„Daß er sie würdige zu rechter Zeit des Bades der Wiedergeburt, der Vergebung der Sünden.“ Wir bitten nämlich theils um gegenwärtige, theils um künftige Gnaden; wir reden vom Taufbade und lehren die Katechumenen im Gebete die Kraft der Taufe. Und so machen wir sie jetzt schon vertraut mit dem Gedanken, daß die Taufe eine Wiedergeburt ist, daß wir aus den Wassern wiedergeboren werden wie aus dem Schooße der S. 47 Mutter. So können sie nicht mit Nicodemus sagen: „Wie kann Jemand wiedergeboren werden, wenn er alt ist? Er kann doch nicht in den Schooß seiner Mutter zurückkehren und von Neuem geboren werden?“3 Dann weil der Diakon von Vergebung der Sünden gesprochen, so bekräftigt er dieses Wort, indem er weiter sagt: „Des Gewandes der Unverweslichkeit.“ Wer nämlich mit der Kindschaft bekleidet wird, der wird offenbar auch unverweslich. Aber wann ist denn „die rechte Zeit“? Wenn der Katechumene wohl vorbereitet ist, wenn er mit gläubigem Verlangen hinzutritt; denn das ist für den Gläubigen die rechte Zeit.

„Daß er segne ihre Eingänge und Ausgänge, ihr gesammtes Leben.“ Hier dürfen die Katechumenen auch um irdischen Segen bitten, denn sie sind ja noch schwach. „Ihre Häuser und ihre Angehörigen,“ seien es nun Diener oder Verwandte oder Freunde. Das waren einst die Belohnungen im alten Bunde; da galt Nichts für so schrecklich als Wittwenschaft, Kinderlosigkeit, Klage um früh Verstorbene, Hunger und Mangel und Scheitern der Unternehmungen. Darum dürfen auch die Katechumenen noch bei solchen Bitten verweilen, die mehr den Leib betreffen, damit sie von einer Stufe zur andern allmählig emporsteigen. So nimmt auch Christus, so Paulus Bezug auf die Segensverheissungen der alten Zeit; Christus, wenn er sagt: „Selig sind die Sanftmüthigen, denn sie werden das Land erben,“4 und Paulus, wenn er ermahnt: „Ehre deinen Vater und deine Mutter, und du wirst lange leben auf Erden!“5


  1. Ps. 126, 1. ↩

  2. Job 1, 9. 16. ↩

  3. Joh. 3, 4. ↩

  4. Matth. 5, 4. ↩

  5. Ephes. 6, 2. ↩

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