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Werke Johannes Chrysostomus (344-407) In epistulam ii ad Corinthios argumentum et homiliae 1-30 Homilien über den zweiten Brief an die Korinther (BKV)
Dritte Homilie.

IV.

19. Denn Gottes Sohn, der unter euch durch uns ist verkündet worden, durch mich und Silvanus und Timotheus, ward nicht Ja und Nein.

Paulus führt die Reihe der Lehrer auf, um auch von dieser Seite her seine Betheuerung zu beglaubigen, so daß neben den Schülern auch die Lehrer Zeugniß geben. Es waren jene Beiden wohl auch Schüler; aber die Demuth des Apostels versetzt sie in den Rang der Lehrer. Was heißt denn aber: „Der unter euch verkündigte Sohn Gottes ward nicht Ja und Nein“? Ich habe, will Paulus sagen, Nichts geändert von Dem, was ich früher in der Predigt gesagt; ich habe nicht bald so und bald anders vor euch gesprochen; denn so mag ein flatterhafter Sinn es machen, aber nicht der feste Glaube. — „Sondern das Ja ist in ihm,“ das heißt fest und unerschütterlich bleibt die Lehre.

S. 62 20. Denn so viele Verheissungen Gottes sind, in ihm ist das Ja und in ihm das Amen (derselben), Gott zur Verherrlichung durch uns.

Was ist wohl unter diesen „Verheissungen Gottes“ zu verstehen? Große Verheissungen lagen im Schooße des Evangeliums, und die Apostel waren die Träger und Verkündiger dieser Verheissungen. Sie sprachen von Auferstehung und Aufnahme in den Himmel, von Unverweslichkeit, vom herrlichen Lohne und der unaussprechlichen Seligkeit. Diese Verheissungen nun, versichert Paulus, bleiben unerschüttert, in ihnen „ward nicht das Ja und Nein“, oder mit andern Worten: Was einmal gesagt ist, bleibt immer wahr, es hat nicht wie etwa mein Kommen jetzt Geltung und dann nicht mehr. Und so tritt Paulus zuerst für die Sätze des Glaubens ein und für die Lehre von Christus, indem er sagt: „Mein Wort und meine Predigt ward nicht Ja und Nein;“ dann auch für die Verheissungen, indem er spricht: „So viele Verheissungen Gottes sind, in ihm ist das Ja.“ Sind aber Gottes Verheißungen zuverlässig und harren der unbedingten Erfüllung, so ist um so mehr Gott selbst und die Lehre von Gott zuverlässig, und man kann nicht sagen, daß Gott jetzt ist und jetzt nicht mehr, sondern er bleibt immer, und immer Derselbe.

Was sagen aber die Worte: „In ihm ist das Ja und das Amen“? Sie verkünden die zweifellose Erfüllung. Denn in Gott selbst, nicht in einem Menschen haben diese Verheissungen ihre Verwirklichung und Erfüllung. Darum laß die Furcht; nicht ein Mensch ist es, so daß du Bedenken haben könntest, sondern Gott selbst ist es, der wohl verheißt als erfüllt! — Was bedeutet denn: „Gott zur Verherrlichung durch uns“? Gott erfüllt seine Verheissungen durch uns, das ist durch die Gnaden und Wohlthaten, die er uns zum Zwecke seiner Verherrlichung erweist. Denn Das heißt: „Gott zur Verherrlichung S. 63 durch uns.“ Wenn aber zu Gottes Verherrlichung, dann ist die Erfüllung gewiß. Denn seine eigene Verherrlichung wird Gott nicht ausser Acht lassen, selbst wenn er über unser Heil hinwegsehen könnte; und auch daran hindert ihn seine große Liebe zu uns. Und zu diesem Ziele ist unser Heil mit der Verherrlichung verbunden, die Gott selbst aus unserer Beseligung erwächst. Wenn daher die Erfüllung der Verheissungen Gott zur Verherrlichung gereicht, so ist unser Heil die unbedingte Folge: ein Gedanke, der den Apostel auch im Ephesierbriefe vielfach beschäftigt, wenn er sagt: „Zum Erwerbnisse seiner Verherrlichung“1 hat Gott uns berufen. Und so hebt er überall dieses Verhältniß hervor, um unsere Seligkeit als nothwendiges Ergebniß darzustellen. So thut er es denn auch hier, indem er versichert, daß Gottes Verheissungen nicht trügen. Schaue darum, sagt er, nicht etwa mit Besorgniß auf den Umstand, daß die Verheissungen durch uns verkündet wurden; denn erfüllt werden sie nicht durch uns, sondern durch Gott; aber auch verkündet werden sie durch Gott; denn nicht unser, sondern Gottes Wort haben wir zu euch geredet.

21. 22. Der uns aber befestigt sammt euch auf Christus hin, und der uns gesalbt hat, ist Gott; der uns auch besiegelt und das Pfand des Geeistes gegeben hat in unsere Herzen.

Wiederum setzt Paulus die Vergangenheit als Bürgschaft für die Zukunft. Denn wenn Gott es ist, der uns befestigt auf Christus hin, das heißt der uns nicht wanken läßt im Glauben an Christus; wenn Gott es ist, der uns gesalbt und den heiligen Geist in unsere Herzen gegeben hat, wie sollte er dann wohl die künftigen Güter uns vorenthalten? Wenn er Anfänge und Grund- S. 64 lagen, wenn er Wurzel und Quelle gegeben, wie könnte er uns wohl Das, was daraus von selbst folgt, versagen? Denn wenn die gegenwärtigen Gnadengeschenke die Grundlage der zukünftigen bilden, wie sollte uns Gott, der uns die einen gegeben, die anderen verweigern? Und wenn er die bereits empfangenen Gaben uns gewährt hat, als wir noch Feinde waren, wie sollte er nicht um so lieber die künftigen uns gnadenvoll schenken, nachdem wir Freunde geworden? Darum sagt auch Paulus nicht einfach „Geist“, sondern „Pfand des Geistes“, damit du im Besitze des Pfandes den Empfang des Ganzen zuversichtlich erwartest. Denn wollte uns Gott nicht das Ganze geben, so hätte er uns gewiß auch das Pfand nicht gegeben, um es ohne Zweck und Ziel zu verlieren. — Und betrachten wir, mit welcher Einsicht Paulus zu Werke geht! Wozu lange Worte, sagt er, daß die Verlässigkeit der Verheissungen nicht auf uns beruht? Auch dieses euer unverrückbares Feststehen im Glauben ist ebenfalls nicht unser, sondern Gottes Werk; denn „der euch befestigt, ist Gott.“ Also nicht wir sind es, die euch befestigen; denn wir bedürfen selbst der Stütze durch Gott. So wähne denn Niemand, das Evangelium sei darum weniger verlässig, weil unser Mund es verkündet; denn Gott selbst hat das ganze Heilswerk auf sich genommen, er selbst läßt das Ganze sich angelegen sein.


  1. Ephes. 1, 14. ↩

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Homilien über den zweiten Brief an die Korinther (BKV)

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