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Werke Johannes Chrysostomus (344-407) In epistulam ii ad Corinthios argumentum et homiliae 1-30 Homilien über den zweiten Brief an die Korinther (BKV)
Achte Homilie.

IV.

Denn dann leuchtet die Macht Gottes am meisten vor, wenn sie durch geringe Mittel Großes vollbringt. Darum heißt es auch an einer anderen Stelle: „Meine Macht wird in der Schwachheit vollendet.“1 So hat Gott im alten Bunde durch Mücken und Fliegen oft ganze Heere der Barbaren in die Flucht geschlagen — darum nennt er auch die Raupe seine „große Macht“2 — und im Anfange hat er durch bloße Verwirrung der Sprachen jenen großen Thurmbau zu Babel vereitelt. Und in den Kriegen hat Gott bald mittels dreihundert Mann zahllose Heerhaufen verjagt und bald durch den Schall der Trompeten Städte zerstört; und später hat er durch einen kleinen und schwachen Knaben, den David, das gesammte Heer der Feinde in die Flucht geschlagen. So hat Gott eben auch hier nur zwölf Männer gesandt und durch sie den Erdkreis überwunden, zwölf Männer, sage ich, die noch dazu verfolgt und bekämpft wurden. Staunen wir also über die Macht Gottes, bewundern und verehren wir sie. Fragen wir Juden, fragen wir Heiden, wer hat die ganze Welt dazu gebracht, vom Herkommen der Väter abzustehen und plötzlich einem anderen Wandel sich zuzuwenden? Etwa der Fischer oder der Zeltwirker? Etwa der Zöllner oder der Mann ohne Schrift, ohne Wissenschaft? Wie wäre Das zu erklären, wenn es nicht eine göttliche Kraft wäre, die Alles durch sie bewirkte? Und was sagten denn die Apostel, um die Welt zu überzeugen? „Lasset euch taufen im Namen des Gekreuzigten.“ Wessen? Den die Leute niemals gesehen hatten. Aber gleichwohl überzeugten sie die Menschen, indem sie Solches sprachen, indem sie S. 163 verkündigten, daß die Götter der Orakel, die sie von den Vorfahren überkommen, keine Götter seien; der Gekreuzigte aber, Christus, zog Alle an sich. Nun aber war die Kreuzigung und das Begräbniß Christi wohl Jedermann bekannt; doch seine Auferstehung hatte ausser ganz Wenigen Niemand gesehen. Und trotzdem wußten die Apostel auch davon die Welt zu überzeugen, und nicht bloß von der Auferstehung, sondern auch von der Himmelfahrt und von der Wiederkunft zum Gerichte über Lebendige und Todte.

Woher nun, sage mir, hatten diese Worte ihre zeugende Kraft? Von wo anders als von der Macht Gottes? Denn im ersten Anfange brachte schon die Neuheit der Sache Alle gegen sich auf; und wenn man erst noch solche Neuerungen einführt, so wird die Sache um so schwieriger, wenn man nämlich die Hebel an die Grundlagen uralten Herkommens setzt, wenn man bestehende Ordnungen mit der Wurzel ausreißt. Und zudem schienen auch die Verkündiger der neuen Lehre wenig Glauben zu verdienen: sie kamen aus einem bei Allen verhaßten Volke, sie waren furchtsam und ungelehrt. Woher kam es nun, daß sie euch und euere Ahnen, so stolz auf ihre Weisheit, sammt ihren Göttern aus dem Felde schlugen? Nicht offenbar daher, weil Gott mit ihnen war? Denn solche Erfolge sind unmöglich das Werk einer menschlichen, sondern einer wahrhaft göttlichen und wunderbaren Macht. O nein, entgegnet Einer; es ist nur Zaubermacht. Aber da hatte ja das Reich der Dämonen sich mehren, der Dienst der falschen Götter zunehmen müssen. Wie kommt es nun, daß dieses Reich zerstört, dieser Dienst verschwunden ist, während es mit unserer Lehre ganz anders steht? So ist denn auch daraus offenbar, daß Das, was geschah, nach dem Willen Gottes war, mögen wir nun die Lehre oder mögen wir die Umwandlung des Lebens betrachten. Denn wann hat ein so zahlreiches jungfräuliches Geschlecht überall auf Erden geblüht? S. 164 wann gab es eine solche Geringschätzung des Reichthums, des Lebens und aller sonstigen Güter? Betrüger und Zauberer hätten gewiß nichts Solches bewirkt, sondern von Allem das Gegentheil. Die Apostel aber haben uns das Leben der Engel gelehrt, und es nicht bloß gelehrt, sondern auch erfolgreich begründet, wie in unserem, so in fremdem Lande, sogar bis zu den Enden der Erde. Daraus ist klar ersichtlich, daß nur die Macht Christi, die allwaltende, das Alles bewirkt hat, jene Macht, die überall leuchtet, die schärfer als der Blitz die Gedanken der Menschen durchstrahlt.

Indem wir nun all Dieses erwägen und die Thatsachen der Vergangenheit als sichere Bürgschaft der künftigen Dinge betrachten, so vereinigt euch mit uns zur Anbetung der unbezwinglichen Macht des Gekreuzigten, damit ihr den unerträglichen Züchtigungen entgehet und des ewigen Reiches theilhaftig werdet. Möge dieses uns allen zu Theil werden durch die Gnade und Güte unsers Herrn Jesus Christus! Amen.

S. 165


  1. II. Kor. 12, 9. ↩

  2. Joel 2, 25. ↩

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Homilien über den zweiten Brief an die Korinther (BKV)

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