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Works John Chrysostom (344-407) In epistulam ii ad Corinthios argumentum et homiliae 1-30 Homilien über den zweiten Brief an die Korinther (BKV)
Eilfte Homilie.

II.

Aber wie? könnte man fragen: hat denn Christus das Fleisch abgelegt und ist jetzt ohne Leib? Durchaus nicht; denn auch gegenwärtig ist er im Fleische. Denn „dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel ward aufgenommen, wird ebenso kommen.“1 Was bedeutet dieses „ebenso“? Daß er im Fleische, daß er mit dem Leibe kommen wird. Wie kann nun aber Paulus sagen: „Wenn wir auch Christus dem Fleische nach gekannt haben, so jetzt nicht mehr“? Wenn wir von uns reden, so ist das „dem Fleische nach“ soviel als in Sünden sein, und das „nicht dem Fleische nach“ soviel als nicht in Sünden sein. Aber bei Christus bedeutet das „dem Fleische nach“ die leidenden Zustände unserer Natur, wie Durst und Hunger, Ermüdung und Schlaf; — denn „Sünde hat er nicht gethan und Trug ward nicht gefunden in seinem Munde.“2 Darum konnte er auch sagen: „Wer aus S. 199 euch überführt mich einer Sünde?“3 und wiederum: „Es kommt der Fürst dieser Welt, aber an mir hat er Nichts;“4 — aber das „nicht dem Fleische nach“ heißt bei Christus, daß er jetzt befreit ist von diesen Dingen, nicht daß er ausser dem Fleische ist. Denn mit diesem wird er kommen, die Welt zu richten, mit einem nicht mehr leidensfähigen, einem unvermischten Fleische; und zu einem solchen werden auch wir gelangen, wenn unser Leib dem Leibe seiner Herrlichkeit ist gleichförmig geworden.

17. Somit wenn Jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung.

Wenn Paulus vorher auf Grund der Liebe zur Tugend ermuntert hat, so sind es jetzt die Dinge selbst, die ihm zu diesem Zwecke dienen; darum sagt er weiter: „Wenn Jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung.“ Hat Jemand den Glauben an Christus angenommen, so ist er zu einer zweiten Schöpfung gelangt, denn er ist von neuem geboren durch den Geist. So sind wir denn auch aus diesem Grunde schuldig, Christo zu leben, nicht bloß weil wir ihm angehören, noch allein, weil er für uns gestorben ist, noch einzig darum, weil ihn Gott als unsern Erstling auferweckt hat, sondern weil wir auch zu einem anderen Leben gekommen sind. Wie viele Gründe sind das zu einem tugendhaften Leben! Denn darum wählt Paulus auch für den neuen Zustand eine so starke Bezeichnung, um die Größe der Veränderung und Umwandlung hervorzuheben. Dann zeigt er in weiterer Ausführung seiner Worte, worin die neue Schöpfung besteht. „Das Alte,“ sagt er, „ist vergangen, siehe, Alles ist neu geworden.“ Was ist dieses „Alte“? Entweder sind es die Sünden und die Gottlosigkeit, oder es ist das gesammte jüdische S. 200 Wesen; am besten denkt man an das eine wie an das andere. — „Siehe, Alles ist neu geworden.“

18. Aber Alles ist aus Gott.

Nichts ist von uns. Von Gott ist uns Vergebung der Sünden und Kindschaft und unvergängliche Herrlichkeit geschenkt worden. So sind es denn nicht mehr bloß die künftigen, es sind auch die gegenwärtigen Dinge, durch die Paulus die Seinigen anzueifern sucht. Erwäge nur! Er hat früher gesagt: Wir werden auferstehen, zur Unverweslichkeit gelangen und ein ewiges Haus besitzen. Nun hat aber für den Zweck der Ermunterung die Gegenwart eine größere Kraft als die Zukunft bei Menschen, die nicht an die Zukunft glauben, wie man glauben soll; darum zeigt Paulus, wie Großes sie bereits empfangen, und in welchem Zustande sie es empfangen haben. Welches war nun ihr Zustand? Sie waren alle todt — denn „Alle waren gestorben, und für Alle starb Christus;“ so liebte er Alle auf gleiche Weise — Alle waren alt und grau geworden im Bösen.

Aber siehe, die Seele ist neu — denn sie wurde gereinigt; der Leib ist neu, der Gottesdienst ist neu, die Verheissungen sind neu, und Bund und Leben und Tisch und Gewand und Alles mit einem Worte ist neu. Statt des Jerusalem hier unten bekamen wir die Mutterstadt dort oben, statt eines irdischen Tempels schauten wir einen geistigen Tempel, statt der Tafeln von Stein Tafeln von Fleisch und Blut, statt der Beschneidung die Taufe, statt des Manna den Leib des Herrn, statt des Wassers aus dem Felsen das Blut aus der Seite, statt des Stabes Moses’ oder Aarons das Kreuz, statt der Verheissung des Erdreiches das Himmelreich, statt unzähliger Priester einen Hohenpriester, statt eines vernunftlosen Lammes ein geistiges Lamm. An Dieses und ähnliches denkt Paulus, wenn er sagt: „Alles ist neu“ „Aber Dieses alles ist aus S. 201 Gott“ durch Christus, der uns Alles geschenkt hat. Darum heißt es weiter: „Der uns mit sich versöhnt hat durch Christus und uns gegeben hat den Dienst der Versöhnung.“ Von Christus ist alles Gute. Denn der uns zu Freunden gemacht, dem haben wir auch Alles zu verdanken, was Gott den Freunden gegeben hat. Denn nicht indem er uns Feinde bleiben ließ, sondern nachdem er uns zu Freunden gemacht, hat Gott so reichlich uns bedacht. Wenn ich aber sage: Christus ist Urheber der Versöhnung, so meine ich auch den Vater; und wenn ich sage: Der Vater hat sie gegeben, so meine ich auch den Sohn; denn „Alles ist durch ihn geworden.“5 Also auch der Vater ist Urheber der Versöhnung. Denn nicht wir sind zu ihm geeilt, sondern er hat uns gerufen. Und wodurch hat er uns gerufen ? Durch den Opfertod Christi. — „Und uns gegeben hat den Dienst der Versöhnung.“ Wieder zeigt hier Paulus sowohl die Würde der Apostel, indem er hinweist auf die Größe der Sache, die in ihre Hände gelegt ist, als auch das Übermaß der Liebe Gottes. Denn selbst dann, als die Menschen den erschienenen Gesandten nicht hatten hören wollen, ergrimmte Gott nicht über die Menschen, noch überließ er sie ihrem Schicksale , sondern unablässig fährt er fort, theils selbst, theils durch Andere zu mahnen. Wer kann über solch’ väterliche Liebe genugsam staunen? Der Sohn ward getödtet, der zur Versöhnung gekommen war, der ächte, eingeborne Sohn; aber auch so wendet der Vater sich nicht ab von Mördern noch spricht er: Ich habe zur Vermittlung meinen Sohn geschickt, aber statt auf ihn zu hören, haben sie ihn gekreuzigt und getödtet; so ist es denn geziemend, sie ihrem Schicksale zu überlassen. Im Gegentheile hat der Vater, nachdem der Sohn hingegangen, uns die Sache übertragen. Denn es heißt: „Der uns gegeben hat den Dienst der Versöhnung.“

S. 202 19. Denn Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnte, indem er ihnennicht anrechnete ihre Übertretungen.

Siehst du eine Liebe, die jede Rede, jeden Verstand übersteigt? Wer ist es denn, der beleidigt worden? Gott selbst. Und wer ist zuerst zur Versöhnung gekommen? Wieder Gott selbst. Aber er hat ja den Sohn geschickt, könnte man sagen, und ist nicht selbst gekommen. Den Sohn hat er wohl geschickt, aber nicht bloß dieser bat und mahnte sondern mit ihm und durch ihn auch der Vater. Darum heißt es: „Gott war es, der die Welt mit sich versöhnte in Christus,“ d. i. durch Christus. Weil Paulus nämlich gesagt hat: „Der uns gegeben hat den Dienst der Versöhnung,“ so erklärt er näher, wie diese Worte gemeint sind, indem er ungefähr sagt: Glaubet nicht, wir könnten unumschränkt über die Sache verfügen; wir sind nur Diener; der aber Alles wirkt, ist Gott, der durch seinen Eingebornen die Welt versöhnt hat. Und wie hat er sie mit sich versöhnt? Denn nicht die Thatsache allein ist wunderbar, daß Gott Freund geworden, sondern auch die Weise, wie er es geworden. Und welches ist diese Weise? Indem er ihnen die Sünden erließ; denn anders war es nicht möglich. Darum fährt Paulus fort: „Indem er ihnen nicht anrechnete ihre Übertretungen.“ Hätte uns Gott für die Versündigungen zur Rechenschaft ziehen wollen, so waren wir alle verloren; denn Alle waren gestorben. Aber trotz der Zahl und Größe der Sünden hat Gott statt der Bestrafung sogar sich versöhnt; er hat die Sünden nicht bloß erlassen, sondern gar nicht angerechnet. So müssen denn auch wir den Feinden vergeben, damit wir ebenfalls der gleichen Vergebung theilhaftig werden. — „Und der in (auf) uns gelegt hat das Wort der Versöhnung.“ Auch wir sind jetzt nicht zu etwas Beschwerlichem gekommen, sondern um Alle zu Freunden Gottes zu machen. Denn nachdem sie mir, spricht Gott, nicht folgen wollten, S. 203 so ermahnet ihr sie solange fort, bis ihr sie überredet habt. Darum heißt es weiter:


  1. Apostelg. 1, 11. ↩

  2. Is. 53, 9. ↩

  3. Joh. 8, 46. ↩

  4. Joh. 14, 30. ↩

  5. Joh. 1, 13. ↩

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Commentaire sur la deuxième épitre aux Corinthiens Compare
Homilien über den zweiten Brief an die Korinther (BKV)

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