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Werke Johannes Chrysostomus (344-407) In epistulam ii ad Corinthios argumentum et homiliae 1-30 Homilien über den zweiten Brief an die Korinther (BKV)
Dreizehnte Homilie.

II.

Auch an die Hebräer schrieb er Vieles in gleichem Sinne und mahnt sie unaufhörlich und sagt: „Noch eine kleine Weile, so wird kommen, der da kommen soll, und nicht verziehen;“1 so wie etwa eine Mutter zu ungeduldigen Kindern spricht. So sagt er denn auch zu den Korinthern: „Ihr seid nicht beengt in uns.“ Er hebt aber nicht bloß hervor, daß er sie liebe, sondern daß er von ihnen auch geliebt werde, um sie auf solche Weise noch mehr für sich zu gewinnen, Ihnen nun gibt er das Zeugniß der Gegenliebe mit den Worten: „Es kam Titus und meldete uns eure Sehnsucht, euer Wehklagen, euren Eifer.“2 Und den Galatern, indem er sagt: „Wenn möglich, so hättet ihr euch die Augen ausgegraben und sie mir gegeben.“3 Dann den Thessalo- S. 231 nikern, indem er spricht: „Welchen Eingang wir bei euch gefunden.“4 Und dem Timotheus in den Worten: „Eingedenk deiner Thränen, damit ich der Freude voll werde.“5 Und so finden wir es allenthalben in seinen Briefen, daß er die Schüler seiner Liebe versichert und ihnen das Zeugniß der Gegenliebe gibt, jedoch ohne daß diese die Höhe seiner eigenen Liebe erreicht. Auch in diesem Briefe sagt er: „Obwohl ich, je mehr ich euch liebe, desto weniger geliebt werde.“6 Doch Das gegen das Ende, zunächst aber hier mit etwas größerer Schärfe: „Ihr seid nicht beengt in uns, seid aber beengt in eurem eigenen Innern.“ Ihr habt nur einen Einzigen zu fassen, ich aber eine ganze Stadt und ein so großes Volk. Und er sagt nicht: Ihr faßt uns nicht, sondern: „Ihr seid beengt,“ womit er freilich Dasselbe meint, jedoch in milderer Form, um den Tadel nicht allzu herbe zu machen.

13. Der gleichen Vergeltung wegen aber, wie zu Kindern rede ich, erweitert euch auch ihr.

Es macht freilich einen Unterschied, ob man zuerst liebt oder nur die Liebe erwidert. Denn würde Einer auch das gleiche Maß der Liebe entgegenbringen, so steht er doch darin nach, daß er erst an zweiter Stelle gekommen ist. Doch darauf will ich, sagt Paulus, so genau nicht sehen, und wenn ihr nur, nachdem ich den Anfang gemacht, das gleiche Maß entgegenbringt, so bin ich es völlig zufrieden. Dann um zu zeigen, daß die Sache sogar eine Schuldigkeit sei und das Gesagte nicht den Zweck habe, sie durch Schmeicheln zu gerinnen, setzt er bei: „Wie zu Kindern rede ich.“ Was will Das sagen: „Wie zu Kindern“? Ich begehre nichts Großes, wenn ich als Vater von euch geliebt zu werden verlange.

S. 232 Und beachten wir des Apostels Einsicht und Mäßigung. Er erwähnt nicht der Gefahren, die er für sie bestanden, nicht der Mühsale und Todesnöthen, obschon er da so Vieles sagen könnte; Das gestattet ihm die Demuth nicht; er gedenkt nur der Liebe, und er verlangt nur aus diesem Grunde geliebt zu werden, weil er ihr Vater ist und sie über die Maßen liebt. Denn es berührt ja gemeiniglich den Geliebten sehr empfindlich, wenn man ihn an die Wohlthaten erinnert, weil Das den Schein des Vorwurfes gewinnt. Darum unterläßt Das Paulus und ermahnt nur: Als Kinder liebet euren Vater! Das ist mehr in der Natur begründet, Das sind wir jedem Vater schuldig. Es soll aber nicht scheinen, als sage er Das in eigener Sache; darum will er ihnen jetzt zeigen, daß es sich um ihre Förderung handelt, wenn er ihre Liebe zu gewinnen sucht. Darum fährt er fort:

14. Ziehet nicht ungleichartiges Joch mit den Ungläubigen!

Es heißt nicht: Mischet euch nicht unter die Ungläubigen, sondern um den Tadel desto nachdrücklicher zu machen, weil es ja für sie ungehörig war, Solches zu thun, sagt er: Beuget euch nicht unter gleiches Joch. — „Denn welche Gemeinschaft ist zwischen Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit?“ Hier nun stellt Paulus nicht mehr seine eigene Liebe in Gegensatz zur Liebe Derer, welche verderblich auf die Seinigen wirkten, sondern den Adel der Gläubigen in Gegensatz zur Niedrigkeit jener Menschen. Das gibt der Rede größeren Nachdruck, ist auch der Würde des Apostels mehr angemessen und macht auf die Korinther einen gewinnenderen Eindruck. Es ist gerade so, als wenn man einem Sohne, der seine Eltern mißachtet und an Nichtswürdige sich wegwirft, zurufen würde: Was thust du, o Sohn? Den Vater verachtest du und ziehst ihm schlechte Gesellen vor, die von Sünden strotzen? Weißt du nicht, wie viel edler und vor- S. 233 nehmer du bist? Auf solche Weise würde man ihn eher von der schlechten Gesellschaft abbringen, als wenn man seinen Vater rühmte. Denn würde man sagen: Weißt du nicht, wieviel edler dein Vater ist als Jene? so wäre damit weniger erreicht. Wer aber vom Vater ganz absieht und den Sohn selbst höher als seine Genossen stellt und spricht: Weißt du nicht, wer du bist und wer Jene sind? Denkst du nicht an deinen Adel, an deine Freiheit und an die Niedrigkeit Jener? Was ist für eine Gemeinschaft zwischen dir und jenen Dieben, Ehebrechern, Betrügern? Wer so redet, der wird durch solche Lobsprüche den Jüngling gleichsam beflügeln, so daß er alsbald von jenem Umgange sich losreißt. Jene erstere Rede dagegen wird er nicht gar gerne hören, weil er das Lob des Vaters als Tadel gegen sich empfindet, indem es ja klar wird, daß er nicht bloß einen Vater betrübt, sondern einen so edlen Vater; hier aber wird er nichts Derartiges empfinden. Es gibt ja Niemand, der nicht gerne sein Lob hörte, und dadurch eben wird auch der Tadel willig hingenommen, wenn er mit einem Lobe verbunden ist. Denn da fügt sich der Hörende leicht, es wächst ihm das Bewußtsein, und er verabscheut die schlechte Genossenschaft. — Aber nicht allein Das ist an der Rede bewundernswerth, daß Paulus solche Dinge einander gegenüberstellt, sondern es kommt noch etwas Anderes hinzu, was noch merkwürdiger und bewundernswerther ist. Denn für’s Erste bewegt sich die Darstellung in der Form der Frage weiter, was nur bei klaren und ausgemachten Wahrheiten stattzufinden pflegt; für’s Zweite ist die lange Ausführung in Folge der Häufung der Ausdrücke zu beachten. Wir finden für die gleiche Sache nicht eine und die andere, sondern eine Anzahl von Benennungen, und zwar werden die Begriffe, nicht die Personen einander gegenübergestellt; auf der einen Seite tritt uns die höchste Tugend, auf der andern das tiefste Laster vor Augen, und zwischen beiden ein großer, ja unermeßlicher Abstand, so daß es keines weiteren Beweises mehr bedarf. „Denn welche Gemeinschaft,“ heißt es, „ist zwi- S. 234 schen Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Welche Genossenschaft hat das Licht mit der Finsterniß?“*


  1. Hebr. 10, 37. ↩

  2. II. Kor. 7, 7. ↩

  3. Gal. 4, 15. ↩

  4. I. Thess. 1, 9. ↩

  5. II. Tim. 1, 4. ↩

  6. II. Kor. 12, 15. ↩

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Homilien über den zweiten Brief an die Korinther (BKV)

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