7.
Kap. III.
1. Darum konnten wir es nicht langer ertragen und fanden es für gut — d. h. wir zogen es vor — allein in Athen zu bleiben, 2. und schickten den Timotheus, unsern Bruder, den Diener Gottes und unsern Mitarbeiter im Evangelium Christi.
Diese Worte spricht der Apostel, nicht um den Timotheus zu loben, sondern um die Gläubigen zu ehren, indem er ihnen seinen Mitarbeiter und Gehilfen im Predigtamte sandte, wie wenn er sagen wollte: Den Diener Gottes S. 583 und unsern Mitarbeiter im Evangelium Christi haben wir von seinen Arbeiten weggezogen und zu euch gesendet.
3. Daß er euch stärke und ermuntere in eurem Glauben, damit Niemand unter den jetzigen Bedrängnissen in Verwirrung gerathe.
Was will der Apostel mit diesen Worten sagen? Die Verfolgungen der Meister müssen nothwendig die Jünger in Bestürzung versetzen; damals aber waren über ihn viele Drangsale hereingebrochen, was er selbst mit den Worten ausspricht: „Satan hat mich gehindert.“ Diese Worte spricht er zu ihrem Troste und er wollte damit sagen: Zu wiederholten Malen wollte ich zu euch kommen, habe es aber nicht vermocht. Große Bedrängnisse haben mich gehindert. Das mußte sie nothwendig in Verwirrung bringen. Denn die Jünger werden nicht so fast durch ihre Drangsale außer Fassung gebracht, als durch die Bedrängnisse, welche ihren Meistern widerfahren, gleichwie einen Soldaten nicht so fast die Gefahr, in welcher er schwebt, in Schrecken setzt, als vielmehr die Verwundung des Feldherrn.
„Daß er euch stärke,“ fährt der Apostel weiter. Er hatte also den Timotheus abgesandt, auf daß er die Gläubigen stärke, nicht also, als ob ihrem Glauben Etwas fehle, nicht als ob sie der Belehrung bedürften. „Und daß er euch ermuntere in eurem Glauben, damit Niemand unter den jetzigen Bedrängnissen in Verwirrung gerathe.“ 4. Denn ihr selbst wisset, daß dieses unsere Bestimmung ist; denn als wir bei euch waren, haben wir euch vorausgesagt, daß Trübsale über uns kommen würden, wie es auch eingetroffen ist, und ihr wisset.
Lasset euch also nicht in Verwirrung bringen, will der S. 584 Apostel sagen. Es ist mir ja nichts Befremdendes, nichts Unerwartetes widerfahren. Dieser Hinweis war geeignet, ihren Muth wieder aufzurichten. Darum hat auch Christus Ähnliches zu seinen Jüngern gesprochen. Höret seine Worte: „Nun habe ich es euch vorausgesagt, bevor es geschieht, damit ihr glaubet, wenn es geschieht.“1
In der That, es liegt ein großer Trost für die Jünger darin, wenn sie aus dem Munde der Meister hören, was da für Dinge kommen sollen. Es ist hier ähnlich, wie bei einem Kranken. Wenn ihm der Arzt vorhersagt, diese oder jene Erscheinung werde eintreten, so versetzt ihn der wirkliche Eintritt solcher Erscheinungen nicht in Aufregung. Treten aber unerwartete Erscheinungen auf, welche den Arzt selbst in Verlegenheit setzen, und vor welchen die Arzneikunst rathlos dasteht, dann wird der Kranke allerdings traurig und bestürzt werden. Dieß alles hat der hl. Paulus vorausgewußt und er hat auch vorausgesagt, daß Drangsale kommen würden, „wie es auch eingetroffen ist, und ihr wisset.“ Der Apostel sagt nicht bloß hievon , daß es eingetroffen ist, sondern er sagt, daß noch vieles Andere eingetroffen sei, das er ebenfalls vorausgesagt habe.
„Denn das ist unsere Bestimmung.“ Darum dürfen wir uns nicht nur durch das Geschehene nicht in Verwirrung und Bestürzung versetzen lassen, sondern auch nicht durch das Zukünftige, wenn uns etwas Derartiges begegnen sollte; „denn das ist unsere Bestimmung.“
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Joh. 14, 29. ↩