§ 2.
Diese Namen Gottes also, welche seine Vorsehung offenbaren, verlangt unsere Rede zu feiern. Sie ver- S. 101 spricht nicht, die absolute, überwesentliche Güte und Wesenheit, Leben und Weisheit der absoluten, überwesentlichen Gottheit darzustellen, welche über alle Güte, Gottheit, Wesenheit, Weisheit und Leben in Verborgenheit, wie die Schrift sagt, hinausgerückt ist,1 sie will vielmehr die geoffenbarte, Gutes schaffende Vorsehung, die überschwengliche Güte und die Ursache von allem Guten feiern als Seiendes, Leben und Weisheit, als die wesenbildende, lebenschaffende und Weisheit spendende Ursache der Wesen, welche an Wesenheit, Leben, Vernunft, Verstand und Empfindung Anteil empfangen haben. Unsere Rede will aber nicht sagen, daß etwas anderes das Gute, etwas anderes das Seiende, etwas anderes das Leben, etwas anderes die Weisheit (in Gott) sei; sie will auch nicht eine Mehrheit von Ursachen und für die einen Dinge diese, für die andern jene erschaffenden Gottheiten höherer und niederer Ordnung aufstellen, sondern sie will alle die gütigen Ausgänge und die von uns gefeierten Gottesnamen sämtlich nur von einem Gott verstanden wissen und besagen, daß der eine Name die universale Vorsehung des einen Gottes andeutet, die andern dagegen die mehr oder minder umfassenden Arten der Vorsehung.2 S. 102
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Ps. 17, 12. ↩
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Dionysius wiederholt die Erklärung, die er kurz vorher § 1. und bereits im 1. Kapitel (s. oben S. 26 f.) schon weitläufig abgegeben hat: daß man Gottes Wesen und Eigenschaften in sich nicht fassen kann, wohl aber aus seinem Wirken nach außen bzw. aus den Akten der Vorsehung schlußweise über ihn zu forschen und zu sprechen vermöge. Vgl. u. a. cap. I § 5. τὴν ἀγαθαρχικὴν τῆς θεαρχίας πρόνοιαν ἐκ πάντων τῶν αἰτιαῶν ὑμνητέον. — Providentia universalis intelligitur bonitas Dei, providentiae partiales respiciunt vitam, sapientiam, rationem, quae in creaturis non omnibus simul sumptis insunt (cf. Corderium ad locum). ↩