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Werke Tertullian (160-220) Adversus Marcionem Fünf Bücher gegen Marcion
Buch 3

13.

[1] Ebenso lässt du dich vom Klang der Namen leiten, wenn du die Macht von Damaskus, die Beute Samarias und den König der Assyrer so nimmst, als kündigten sie einen kriegerischen Christus des Schöpfers an, und dabei nicht beachtest, was die Schrift vorausschickt: dass er, »ehe er Vater und Mutter zu rufen weiß, die Macht von Damaskus und die Beute Samarias empfangen wird gegen den König der Assyrer«. [2] Denn zuerst musst du die Angabe des Alters betrachten: ob sie einen Christus schon als Mann darstellen kann, geschweige denn als Feldherrn. Etwa sollte das Kindlein mit Wimmern zu den Waffen rufen und die Kriegssignale nicht mit der Trompete, sondern mit der Klapper geben; und nicht vom Pferd oder vom Wagen oder von der Mauer herab, sondern vom Hals oder Rücken seiner Amme oder Trägerin aus den Feind bestimmen und so Damaskus und Samaria noch an der Mutterbrust unterwerfen? [3] Etwas anderes wäre es, wenn bei den Pontikern, jenem barbarischen Volk, die Kinder in die Schlacht ausbrechen — zuvor, glaube ich, an der Sonne eingesalbt, dann in Windeln gerüstet und mit Butter besoldet, die eher zu lanzieren als zu lallen wüssten. Wenn aber die Natur dies nirgends zulässt, eher Kriegsdienst zu tun als zu leben, eher die Macht von Damaskus zu nehmen als das Wort Vater und Mutter zu kennen, so folgt, dass die Aussage als bildlich anzusehen ist. »Doch dass eine Jungfrau gebiert«, sagst du, »lässt die Natur ebenso wenig zu, und man glaubt es dem Propheten dennoch.« Und mit Recht. [4] Denn er hat dem unglaublichen Vorgang den Glauben vorbereitet, indem er den Grund angab: dass es nämlich ein Zeichen sein werde. »Darum«, sagt er, »wird euch der Herr ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau wird im Leib empfangen und einen Sohn gebären.« Ein Zeichen aber von Gott wäre, wenn es nicht etwas ungeheuerlich Neues wäre, eben kein Zeichen gewesen. [5] Und wenn schließlich die Juden, sooft sie zu lügen wagen, um uns zu Fall zu bringen, behaupten, die Schrift enthalte nicht, dass eine Jungfrau, sondern dass eine junge Frau empfangen und gebären werde, so werden sie eben dadurch widerlegt, dass eine alltägliche Sache — die Schwangerschaft und Geburt einer jungen Frau — unmöglich als Zeichen gelten kann. Als Zeichen bestimmt wird also mit Recht die Jungfrau und Mutter geglaubt, das kriegführende Kind aber nicht ebenso; denn hier waltet kein Grund eines Zeichens. Vielmehr wird, nachdem das Zeichen der neuen Geburt beigeschrieben ist, von da an nach dem Zeichen schon eine andere Ordnung des Kindes verkündet: dass es Honig und Butter essen werde. [6] Und auch dies ist gewiss kein Zeichen, dass es der Bosheit nicht zustimmen werde — denn auch das gehört zur Kindheit —, sondern dass es die Macht von Damaskus und die Beute Samarias empfangen werde gegen den König der Assyrer. Wahre das Maß des Alters und suche den Sinn der Verkündigung, ja gib dem Evangelium der Wahrheit zurück, was du ihm später entzogen hast, und die Weissagung wird ebenso verstanden, wie sie als erfüllt gemeldet wird. Mögen aber jene Weisen aus dem Osten in der Kindheit dem neugeborenen Christus mit Gold und Weihrauch Geschenke bringen — und das Kind mag die Macht von Damaskus ohne Schlacht und Waffen empfangen haben. [7] Denn abgesehen davon, dass es allen bekannt ist, dass die Macht des Ostens, das heißt seine Kraft und Stärke, gewöhnlich in Gold und Wohlgerüchen liegt, ist es gewiss dem Schöpfer eigen, das Gold auch zur Macht der übrigen Völker zu machen, wie durch Sacharja: »Und Juda wird sich bei Jerusalem vorschieben und die ganze Stärke der Völker ringsum versammeln, Gold und Silber.« [8] Von jener Gabe des Goldes aber sagt auch David: »Und es wird ihm gegeben werden vom Gold Arabiens«; und wiederum: »Die Könige der Araber und von Saba werden ihm Gaben darbringen.« Denn der Osten hatte die Magier meist als Könige, und Damaskus wurde früher zu Arabien gerechnet, ehe es durch die Einteilung der syrischen Provinzen zu Syrophönizien überschrieben wurde; dessen Macht empfing Christus damals, indem er dessen Kennzeichen empfing, nämlich Gold und Wohlgerüche. Die Beute Samarias aber sind die Magier selbst, die, nachdem sie ihn erkannt, mit Gaben geehrt und auf den Knien wie einen Gott und König angebetet hatten unter dem Zeugnis des Sterns als Anzeiger und Führer, zur Beute Samarias geworden sind, das heißt des Götzendienstes, indem sie nämlich an Christus glaubten. [9] Denn den Götzendienst hat er mit dem Namen Samarias bezeichnet, als einer wegen des Götzendienstes schändlichen Stadt, mit dem sie damals unter König Jerobeam von Gott abgefallen war. Denn auch dies ist beim Schöpfer nichts Neues, dass er bildlich Namen aus der Vergleichbarkeit der Verbrechen überträgt. So nennt er auch die Fürsten der Juden Fürsten von Sodom und das Volk selbst Volk von Gomorra. Und derselbe sagt anderswo: »Dein Vater ist ein Amoriter und deine Mutter eine Hetiterin«, wegen der gleichartigen Gottlosigkeit — dieselben, die er einst auch seine Söhne genannt hatte: »Söhne habe ich gezeugt und großgezogen.« [10] So wird bei ihm auch Ägypten zuweilen als der ganze Erdkreis verstanden, mit dem Beinamen des Aberglaubens und des Fluchs. So ist auch Babylon bei unserem Johannes ein Bild der Stadt Rom, die ebenso groß und stolz auf ihre Herrschaft und eine Bekämpferin der Heiligen Gottes ist. Nach diesem Brauch also hat er auch die Magier mit der Benennung der Samariter belegt, als solche, die dessen beraubt wurden, was sie mit den Samaritern gemein hatten, wie wir sagten: des Götzendienstes. Unter dem König der Assyrer aber verstehe den Herodes, dem die Magier damals gewiss entgegenhandelten, indem sie ihm über Christus nichts meldeten, den er umzubringen suchte.

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