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Werke Tertullian (160-220) Adversus Marcionem Fünf Bücher gegen Marcion
Buch 3

19.

[1] Wohlan denn: Wenn du bei David gelesen hast »Der Herr hat vom Holz her geherrscht«, so warte ich darauf, was du darunter verstehst. Es sei denn, du meinst, es werde irgendein hölzerner König der Juden bezeichnet und nicht Christus, der seit dem Leiden am Holz, nachdem der Tod überwunden war, geherrscht hat. Denn wenn auch der Tod von Adam bis Christus geherrscht hat: Warum sollte man nicht sagen, Christus habe vom Holz her geherrscht, seit er, am Holz des Kreuzes gestorben, die Herrschaft des Todes ausgeschlossen hat? [2] Ebenso sagt Jesaja: »Denn ein Knabe ist uns geboren.« Was wäre daran neu, wenn er nicht vom Sohn Gottes spräche? »Und er ist uns gegeben, dessen Herrschaft auf seiner Schulter geworden ist.« Welcher König überhaupt trägt das Zeichen seiner Macht auf der Schulter und nicht entweder das Diadem auf dem Haupt oder das Zepter in der Hand oder irgendein Merkmal an seiner eigenen Kleidung? [3] Doch allein der neue König der neuen Zeiten, Christus Jesus, hat Macht und Erhabenheit seiner neuen Herrlichkeit auf der Schulter emporgetragen, nämlich das Kreuz — sodass nach der obigen Weissagung der Herr von da an vom Holz her herrschte. Dieses Holz legt dir auch Jeremia nahe, wenn er weissagt, die Juden würden sagen: »Kommt, lasst uns Holz in sein Brot werfen«, nämlich in seinen Leib. [4] Denn so hat Gott es auch in eurem Evangelium offenbart, indem er das Brot seinen Leib nennt — damit du auch hieraus schon verstehst, dass er dem Brot das Bild seines Leibes gegeben hat, dessen Leib der Prophet früher unter dem Bild des Brotes dargestellt hatte, während der Herr selbst dieses Geheimnis später deuten sollte. [5] Wenn du noch die Verkündigung des Kreuzes des Herrn suchst, so kann dir schon der einundzwanzigste Psalm genügen, der das ganze Leiden Christi enthält, der schon damals seine Herrlichkeit besingt: »Sie haben«, sagt er, »meine Hände und Füße durchgraben« — was die eigentümliche Grausamkeit des Kreuzes ist. Und wiederum, wenn er die Hilfe des Vaters anfleht: »Rette mich«, sagt er, »aus dem Rachen des Löwen«, gewiss des Todes, »und meine Niedrigkeit von den Hörnern des Einhorns«, [6] nämlich von den Spitzen des Kreuzes, wie wir oben gezeigt haben. Dieses Kreuz hat weder David selbst erlitten noch irgendein König der Juden — damit du nicht meinst, es werde das Leiden eines anderen geweissagt als dessen, der allein vom Volk auf so auffällige Weise gekreuzigt worden ist. Und wenn nun die häretische Härte alle diese Deutungen zurückweist und verlacht, so will ich ihr zugestehen, dass vom Schöpfer kein Kreuz Christi bezeichnet worden sei — weil sie auch daraus nicht beweisen wird, dass ein anderer es sei, der gekreuzigt wurde; [7] es sei denn, sie zeigte, dass dieser sein Ausgang von seinem Gott vorherverkündigt worden ist, sodass sich aus der Verschiedenheit der Verkündigungen eine Verschiedenheit der Leiden und dadurch auch der Personen ergäbe. Im Übrigen genügt, da nicht einmal sein Christus verkündigt wurde, geschweige denn dessen Kreuz, für meinen Christus schon die Weissagung des bloßen Todes. Denn daraus, dass die Art des Todes nicht angegeben ist, konnte er auch durch das Kreuz eintreten; einem anderen wäre er dann zuzurechnen, wenn er auf einen anderen hin vorherverkündigt worden wäre. [8] Es sei denn, er wollte auch den Tod meines Christus nicht als geweissagt gelten lassen — umso mehr muss er erröten, wenn er seinen Christus zwar als gestorben verkündigt, den er als geboren leugnet, meinen aber als sterblich leugnet, den er als geburtsfähig bekennt. Tod, Begräbnis und Auferstehung meines Christus aber will ich mit dem einen Wort Jesajas zeigen, der sagt: »Sein Begräbnis ist aus der Mitte weggenommen.« [9] Denn er wäre nicht begraben worden, wenn er nicht gestorben wäre, und sein Begräbnis wäre nicht aus der Mitte weggenommen worden außer durch die Auferstehung. Schließlich fügte er hinzu: »Darum wird er viele zum Erbe haben und die Beute vieler verteilen, dafür dass seine Seele in den Tod dahingegeben wurde.« Denn es ist der Grund dieser Gnade gezeigt, nämlich als Vergeltung für das Unrecht des Todes. Zugleich ist gezeigt, dass er dies [wegen des Todes erlangen werde,] gewiss nach dem Tod durch die Auferstehung erlangen werde.

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