23.
Sieh, eine Verfolgung bricht los! Das Mädchen denkt nicht an Flucht, ist aber doch voll Bangen. Um nicht ein Opfer der Nachsteller ihrer Keuschheit zu werden, bereitete sie ihr Herz mit solcher Gottergebenheit zur Standhaftigkeit vor, daß sie den Tod nicht fürchtete, mit solcher Reinheit, daß sie ihn ersehnte. Der Tag, der mit der Siegeskrone winkt, bricht an. Alles steht in gespanntester Erwartung. Das Mädchen wird vorgeführt, entschlossen für den zweifachen Kampf der Jungfräulichkeit wie des Glaubens. Doch da man sich überzeugt hatte von der Standhaftigkeit in ihrem Berufe, ihrer ängstlichen Beflissenheit für die Keuschheit, ihrer Entschlossenheit zu Martern, ihrem Erröten vor bloßen Blicken, begann man auszuklügeln, wie man ihr unter dem Schein der Keuschheit den Glauben nehmen könnte: hätte man erst die Hauptsache weggenommen, würde man auch das übrige wegnehmen können. Entweder, so heischen sie, die Jungfrau muß opfern, oder sie wird als Prostituierte einem öffentlichen Hause überwiesen. Wie muß die Gottesverehrung von Leuten beschaffen sein, die also verfahren? Oder wie das Leben derer, die also richten?
