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S. 357 „Fürchte dich nicht, Schwester,“ beschwichtigte sie der Krieger. „Als Bruder bin ich hierher gekommen, dein Leben zu retten, nicht zu nehmen. Hilf mir zum Heil, daß auch du heil hinwegkommst! Anscheinend ein Lüstling, kam ich herein, als Märtyrer werde ich, so du willst, weggehen. Laßt uns die Kleider vertauschen! Mir geziemen die deinigen, dir die meinigen, doch beide Christo. Dein Gewand wird mich zum wahren Streiter machen, das meinige dich zur Jungfrau. Für dich mag die Bekleidung gut sein, für mich besser die Entkleidung, daß der Verfolger mich erkenne. So nimm das Gewand: es berge das Weib! Reiche (das deinige): es weihe den Märtyrer ein! Wirf den Mantel um: er verheimliche den jungfräulichen Leib und bewahre dessen Unversehrtheit! Nimm den Helm: er bedecke das Haar, verberge das Gesicht! Es pflegen sich Lüstlinge zu schämen, wenn sie ein öffentliches Haus betreten haben. Freilich, wenn du entkommen, schau nicht zurück, der Frau des Lot gedenkend, die ihre Natur einbüßte, weil sie, wenn auch keuschen Auges, auf die unkeuschen (Bewohner Sodomas und Gomorrhas) zurückblickte1. Fürchte auch nicht, es möchte deinem Opfer Eintrag geschehen! Ich biete für dich Gott ein Schlachtopfer dar, du für mich Christo eine Streiterin: da hast du den guten Kampf der Keuschheit, der für unvergänglichen Sold die Waffe schwingt; den Panzer der Gerechtigkeit2, daß er mit geistiger Wehr den Leib umschließe; den Schild des Glaubens3, um damit Verwundung abzuschlagen; den Helm des Heils4, weil da, wo Christus, die Schutzwehr unseres Heils ist; „denn des Weibes Haupt ist der Mann“5, das der Jungfrau Christus.“
