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Anders ihr, glückliche Jungfrauen, die ihr von solchen Dingen, die mehr drücken denn schmücken, nichts wißt! Über euer züchtiges Antlitz ist heilige Scham ausgegossen und lautere Keuschheit euer Schmuck. Menschlichem Auge nicht ausgesetzt, bleibt ihr, der Täuschung abhold, nur auf eure Verdienste bedacht. Gewiß ringt auch eure Schönheit um den Siegespreis, aber mit einer Waffe, die ihr der Reiz der Tugend, nicht des Leibes leiht. Solche Schönheit löscht kein Alter aus, kann kein Tod rauben, keine Krankheit entstellen. Ihres Reizes berufener Richter darf nur Gott sein, der auch in einem minder schönen Leib die um so schönere Seele liebt. Etwas Unbekanntes bleiben Schwangerschaft des Leibes, etwas Unbekanntes Geburtswehen. Und doch um so zahlreicher ist der Nachwuchs der frommen Seele, die alle als Kinder umfängt. Reich gesegnet mit Nachkommenschaft, bleibt sie von Kinderverlust verschont; sie kennt keine Leichenbegängnisse, sie weiß nur von Erben.
