• Start
  • Werke
  • Einführung Anleitung Mitarbeit Sponsoren / Mitarbeiter Copyrights Kontakt Impressum
Bibliothek der Kirchenväter
Suche
DE EN FR
Werke Tertullian (160-220) Ad nationes An die Heiden
Tertullian (160-220)
An die Heiden
(Ad nationes)
Buch 1

I.

|v59| [1] Das Zeugnis eurer Unwissenheit, die, indem sie die Ungerechtigkeit verteidigt, sie zugleich überführt, liegt offen zutage: alle nämlich, die früher mit euch unwissend waren und mit euch hassten, hören, sobald ihnen zu wissen zuteil wurde, auf zu hassen, weil sie aufhören, unwissend zu sein; ja, sie werden selbst das, was sie hassten, und beginnen zu hassen, was sie gewesen waren. [2] So sehr beseufzt ihr täglich die wachsende Zahl der Christen; ihr schreit, die Stadt sei belagert, auf den Feldern, in den Kastellen, auf den Inseln seien Christen; ihr beklagt es wie einen Verlust, dass jedes Geschlecht, jedes Alter, kurz jeder Stand von euch zu ihnen übergeht. [3] Und doch bewegt ihr euch nicht einmal dadurch zu der Vermutung, es liege darin ein verborgenes Gut; es ist nicht erlaubt, richtiger zu argwöhnen, es beliebt nicht, näher zu prüfen: allein hier erlahmt die menschliche Neugier. [4] Ihr liebt es, das nicht zu wissen, worüber andere sich freuen, es gefunden zu haben; ihr wollt lieber unwissend bleiben, weil ihr bereits hasst — als wäret ihr gewiss, dass ihr nicht hassen würdet, ⟨wenn⟩ ihr es wüsstet. [5] Nun aber: Findet sich kein ⟨Grund⟩ des Hasses, so ist es doch das Beste, von der früheren Ungerechtigkeit abzulassen; besteht aber der Rechtsgrund, so wird dem Hass nichts entzogen, ja er wird durch das Bewusstsein der Gerechtigkeit nur umso reichlicher gehäuft. Es sei denn, man schämt sich, sich zu bessern, oder es verdrießt einen, entschuldigt zu werden.

[6] Ich weiß wohl, mit welcher Antwort ihr dem Zeugnis unseres Zustroms zu begegnen pflegt: keineswegs, sagt ihr, sei damit etwas als gut vorentschieden, dass es die meisten bekehre und an sich reiße. [7] Ich kenne den Umschlag des Sinnes zum Schlechten hin. Wie viele Fahnenflüchtige des guten Lebens! Wie viele Überläufer |v60| ins Verkehrte! Viele in gutem Glauben, ja schon die meisten, weil die Zeiten am Äußersten sind. [8] Doch dieser Vergleich trifft nicht zu. Denn über das Schlechte steht bei allen so viel fest, dass nicht einmal die Schuldigen selbst, die zum Schlechten übergehen und vom Guten ins Verkehrte abbiegen, es wagen, das Schlechte als gut zu verteidigen. Das Schändliche halten sie für furchterregend, das Gottlose für schamvoll. [9] Sie trachten schließlich danach, verborgen zu bleiben, meiden es aufzutreten, zittern, wenn sie ertappt sind, leugnen, wenn sie angeklagt sind; nicht einmal unter der Folter gestehen sie leicht oder immer, verurteilt aber trauern sie gewiss. Denn sie werfen sich selbst vor, was sie waren, und schreiben den Übergang des schlechten Sinnes von der Unschuld her sogar dem Schicksal zu. So wenig wollen sie, dass es das Ihre sei, weil sie nicht leugnen können, dass es schlecht ist.

[10] Die Christen aber — was Derartiges tun sie? Keinen beschämt es, keinen gereut es, es sei denn allein des Früheren. Wird er gebrandmarkt, so rühmt er sich; wird er geschleppt, so leistet er keinen Widerstand; wird er angeklagt, so verteidigt er sich nicht; befragt, bekennt er; verurteilt, jubelt er. Was ist das für ein Übel, bei dem die Natur des Übels aufhört?

pattern
  Drucken   Fehler melden
  • Text anzeigen
  • Bibliographische Angabe
  • Scans dieser Version
Editionen dieses Werks
Ad nationes vergleichen
Übersetzungen dieses Werks
Ad Nationes vergleichen
An die Heiden
Aux nations vergleichen
Kommentare zu diesem Werk
Appendix to "Ad Nationes"

Inhaltsangabe

Theologische Fakultät, Patristik und Geschichte der alten Kirche
Miséricorde, Av. Europe 20, CH 1700 Fribourg

© 2026 Gregor Emmenegger
Impressum
Datenschutzerklärung