IV.
1. Während alle dieses lustige Schauspiel fesselte, gab Caecilius in keiner Weise darauf acht und hatte keine Freude an dem Wettspiel. Schweigsam, bekümmert, in sich versunken, verriet er durch seine Miene, daß ihn etwas schmerzte. 2. Da sprach ich zu ihm: Was ist denn? Caecilius, wo bleibt deine sonstige Lebhaftigkeit, warum muß ich deinen heiteren Blick vermissen, den du sonst selbst bei ernsten Dingen zeigst? 3. Er entgegnete: Schon lange wurmt und quält mich heftig die Rede unseres Octavius, in welcher er sich gegen dich gekehrt und dich der Pflichtversäumnis bezichtigt hat, um desto schwerer auf diese verschleierte Weise mich der Unwissenheit zu beschuldigen. 4. Nun ich will weiter ausholen: ich will über die volle und gesamte Angelegenheit mich mit Octavius aussprechen. Wenn es ihm recht ist, so will ich als Anhänger dieser Richtung mit ihm disputieren; er wird dann gewiß einsehen, daß es leichter ist, ein Wortgefecht unter Freunden zu führen als regelrecht S. 139 wissenschaftlich miteinander zu kämpfen. 5. Nur wollen wir uns auf jenen zum Schutz der Bäder aufgeworfenen und ins Meer vorspringenden Steindamm niederlassen, damit wir von unserem Marsche ausruhen und um so mehr unsere Gedanken auf das Gespräch richten können. 6. Auf sein Wort hin nahmen wir Platz; die Gegner setzten sich zu beiden Seiten und nahmen mich als Dritten in die Mitte. Das geschah nicht etwa aus Höflichkeit noch mit Rücksicht auf Rang und Ehrenstellung -- denn Freundschaft setzt Gleichheit der Personen voraus oder schafft sie -- sondern ich sollte auf diese Weise als Schiedsrichter beiden gleich nahe zuhören können und in der Mitte sitzend das streitende Paar voneinander trennen.
