2. Von dem Hauptmittel gegen den Geist der Unkeuschheit.
Im Grunde genommen geht die Besserung bezüglich dieses Lasters aus von der Vollkommenheit des Herzens, aus welchem auch nach dem Worte des Herrn das Gift dieser Krankheit entspringt. „Aus dem Herzen heraus gehen,“ sagt er,1 „böse Anschläge, Mordthaten, Ehebrüche, Buhlschaften, Diebstähle, falsche Zeugnisse u. s. w.“ Das also muß zuerst von Sünden gereinigt werden, was man als die Quelle des Todes erkennt, nach dem Ausspruche Salomons:2 „Mit aller Vorsicht bewahre dein Herz, denn aus ihm geht das Leben hervor.“ Denn das Fleisch dient seinem (des Herzens) Willen und Befehl. Man muß deßhalb mit dem größten Eifer auf strenges Fasten bedacht sein, damit nicht das Fleisch, bis zum Ueberflusse mit Speisen angefüllt, den heilsamen Vorschriften des Geistes zuwiderhandle und die Seele, seine Lenkerin, voll Uebermuth zum Falle bringe. Wenn wir übrigens unsere ganze Sorge nur auf die Züchtigung des Leibes verwenden, ohne daß die Seele in ähnlicher Weise, wie der Leib der Speisen, so der übrigen Fehler sich enthält, und ohne daß sie mit der Betrachtung göttlicher Dinge und mit geistlichen Übungen beschäftigt ist, so werden wir nimmer zu jenem erhabenen Gipfel der wahren und vollkommenen Reinheit emporzusteigen vermögen; denn gerade der vorzüglichere Theil unseres Wesens feindet die Reinheit unseres Leibes an. Wir müssen daher nach dem Worte S. 136 des Herrn die Innenseite des Bechers und der Schüssel zu reinigen suchen, damit auch die Aussenseite rein werde.
