23. Mittel zur steten Bewahrung vollkommener Reinheit des Leibes und der Seele.
Damit nun solche Trugbilder im Schlafe sich bei uns nicht einzustellen vermögen, muß man stets gleichmäßiges und vernünftiges Fasten beobachten. Denn wer das Maß der Strenge überschreitet, ist auch das Maß der Abspannung zu überschreiten genöthigt. Diese Ungleichmäßigkeit, in der er sich befindet, verdrängt ihn ohne Zweifel aus diesem ungetrübten Zustand der Ruhe. Bald fällt er zusammen vor allzu großer Leere, bald schwillt er an von allzu vielem Essen. Tritt nämlich eine Aenderung in unserm Essen ein, so zieht sie nothwendig auch eine Veränderung in unserer Reinheit nach sich. Ausserdem muß man beständige Demuth und innere Geduld üben und sein Augenmerk auf den Zorn S. 150 und die übrigen Leidenschaften gerichtet halten. Denn wo das Gift der Wuth sitzt, dahin muß auch das Feuer der Wollust dringen. Vor Allem aber ist eine wachsame Sorge während der Nacht nothwendig. Denn wie die Reinheit und Wachsamkeit bei Tage eine Vorbereitung auf die Reinheit bei Nacht ist, so verleihen im Voraus die Nachtwachen dem Herzen sowie der Wachsamkeit am Tage eine gar feste und starke Stütze.
