8. Gott hat den Stolz des Teufels durch die Tugend der Demuth ertödtet.
Deßhalb war Gott, der Schöpfer und Heiland der Welt, der in dem Stolze die Ursache und den Anfang aller Krankheiten erkannte, Entgegengesetztes mit Entgegengesetztem zu heilen besorgt, damit Das, was durch den Stolz gefallen war, durch die Demuth sich wieder erheben solle. Denn Jener (Luzifer) sprach:1 „Zum Himmel will ich hinaufsteigen.“ Dieser (der Heiland) durch den Mund des Psalmisten:2 „Gebeugt zur Erde ist meine Seele.“ Jener sagt:3 „Dem Höchsten will ich gleich sein;“ als Dieser in der Gestalt Gottes war, entäusserte er sich selbst und nahm die Gestalt des Knechtes an, erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode.4 Jener spricht:5 „Ueber die Sterne des Himmels will ich meinen Thron erhöhen;“ Dieser:6 „Lernet von mir, denn ich bin demüthig und sanftmüthig von Herzen.“ Jener sagt:7 „Ich kenne keinen Herrn und werde Israel nicht entlassen;“ Dieser sagt:8 „Wenn ich sagen würde, ich kenne ihn nicht, so wäre ich gleich euch ein Lügner; aber ich kenne ihn und halte seine Gebote.“ Jener S. 247 rühmt sich:9 „Mein sind die Flüsse, und ich machte sie;“ Dieser spricht:10 „Ich kann aus mir selbst Nichts thun, sondern mein Vater, der in mir wohnt, er thut die Werke.“ Jener spricht:11 „Mein sind alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit, und wem ich will, dem gebe ich sie;“ Dieser aber ist arm geworden, obwohl er reich war, damit wir durch seine Dürftigkeit reich würden. Jener prahlt:12 „Wie man die übriggelassenen Eier sammelt, so habe ich alle Länder gesammelt, und es war Niemand, der, wie ein Vogel, nur eine Feder bewegte, der seinen Mund öffnete und athmete.“ Dieser spricht:13 „Dem Pelikan in der Wüste bin ich ähnlich geworden, ich habe gewacht und bin geworden wie die Eule, einsam im Bauwerke.“ Jener sagt: „Ich habe mit dem Tritte meines Fußes alle Bäche ausgetrocknet;“ Dieser:14 „Könnte ich nicht meinen Vater bitten, und er würde mir sogleich mehr als zwölf Legionen Engel senden?“ Wenn wir die Ursache des ersten Falles und zugleich die Grundlage unseres Heiles erwägen, wenn wir bedenken, was den Teufel veranlaßte, sich zu rühmen, und Christus, demüthig zu reden, so werden wir durch den Fall des ersteren und das Beispiel des Letzteren belehrt werden, wie wir dem jähen Tode entgehen können, den uns der Hochmuth bereiten will.
