24. Wer von geistigem und wer von fleischlichem Hochmuthe geplagt wird.
Was wir bisher, soweit es unsere geringen Geistesgaben vermochten, von dem geistigen Hochmuthe gesagt haben, von dem, wie bemerkt, nur die Vollkommenen geplagt werden, das mag genügen. Diese Art Hochmuth ist von Vielen gar nicht gekannt, weil auch nicht gar Viele die vollkommene Reinheit des Herzens zu erreichen streben, um zu dieser Stufe des Kampfes gelangen zu können, noch auch um eine gründliche Reinigung von den vorausgehenden Sünden sich bemühen, deren Wesen und Heilmittel wir in einzelnen Abhandlungen vorausgeschickt haben; vielmehr pflegt dieser Hochmuth nur Diejenigen zu plagen, die nach Besiegung der früheren Fehler beinahe auf dem Gipfel der Tugenden stehen. Weil Solche der schlaue Feind nicht durch einen Fall in Fleischessünden besiegen konnte, versucht er sie durch einen geistigen Sturz zum Falle zu bringen und will durch diesen Sturz sie aller mit vieler Mühe erworbener Verdienste der früheren guten Werke berauben. Uebrigens würdigt er uns, S. 262 die wir noch in niederen Leidenschaften verstrickt sind, keineswegs dieser Art Versuchung, sondern bringt uns durch eine grobe und, so zu sagen, fleischliche Hoffart zum Falle. Und deßwegen halte ich es für nothwendig, über diesen Hochmuth, von dem hauptsächlich wir und Leute von unserer Beschaffenheit und vorzüglich der Geist der Jüngeren und Anfänger im geistigen Leben gefährdet zu sein pflegten, gemäß unseres Versprechens Einiges zu sagen.
