30. Wer durch Hochmuth in Lauheit versunken ist, strebt auch darnach, Anderen sich zum Herrn aufzuwerfen.
[Forts. v. S. 268 ] Wen der Stolz einmal in Besitz genommen und auf dieser abschüssigen Bahn von Stufe zu Stufe herabgestürzt hat, dem ist alsdann überhaupt die Klosterregel zuwider, und als ob er durch das Zusammenleben mit den Brüdern von der Übung der Vollkommenheit abgezogen würde und die Tugend der Geduld und Demuth ihm erschwert oder entzogen würde, wünscht er in einer einsamen Zelle zu wohnen oder gar, in der Hoffnung, mehrere Andere zu gewinnen, ein neues Kloster zu bauen; er beeilt sich, Leute um sich zu schaaren, um sie zu belehren und zu unterweisen, und wird so aus einem unbrauchbaren Schüler ein viel verderblicherer Lehrer. Denn obwohl er durch eine solche Erhebung seines Herzens in die verderblichste und schädlichste Lauheit gesunken und weder ein ächter Mönch noch Laie geworden ist, verspricht er sich, was noch schlimmer ist, von diesem unseligen Zustande und Wandel gar noch Vollkommenheit.
