10. Großer Gehorsam der Novizen auch bezüglich der natürlichen Bedürfnisse.
Ferner wird mit solcher Strenge die Regel des Gehorsams eingehalten, daß die Novizen ohne Wissen und Willen des Vorgesetzten nicht nur nicht ihre Zellen zu verlassen, S. 66 sondern nicht einmal dem, was allgemein und von Natur nothwendig ist, ohne seine Erlaubniß zu genügen wagen. Alle Befehle der Oberen sehen sie fast an als von Gott gegeben und beeilen sich, dieselben ohne alle Erörterung zu vollziehen. Nicht selten nehmen sie sogar unmöglich auszuführende Befehle mit einem so demüthigen Vertrauen hin, daß sie aus allen Kräften und ohne jegliches innere Widerstreben dieselben zu verrichten bestrebt sind. Ja nicht einmal über die Unausführbarkeit des Befohlenen denken sie nach: so groß ist ihre Ehrfurcht vor ihrem Oberen. Ich unterlasse es, jetzt über den Gehorsam der Novizen im Einzelnen zu reden; denn nach der von mir getroffenen Eintheilung des Stoffes werde ich bald am betreffenden Orte ihn mit Beispielen beleuchten, wenn Gott mir auf euer Gebet Leben und Gesundheit schenkt. Jetzt will ich, wie in der Vorrede ich es versprochen habe, über die übrigen Anordnungen berichten und dabei das weglassen, was in unserm Lande den Klöstern nicht zugemuthet und von ihnen nicht beobachtet werden kann, z. B. daß sie keine wollene, sondern linnene Gewänder und diese nicht doppelt tragen, daß jeder Dekan seiner Dekanie Kleider zum Umkleiden besorgt, sobald er merkt, daß die von den Mönchen getragenen schmutzig geworden sind.
