10. Zur Erhaltung der Reinheit des Leibes und der Seele ist die Enthaltsamkeit von Speisen nicht hinreichend.
S. 104 Zur Erhaltung der Reinheit des Leibes und der Seele reicht die Enthaltsamkeit von Speisen allein nicht hin, wenn nicht auch die übrigen Tugenden der Seele mit ihr verbunden sind. Allererst muß daher die Demuth durch die Tugend des Gehorsams, durch die Zerknirschung des Herzens und körperliche Ermüdung erlernt werden. Nicht nur der Besitz von Geld ist zu vermeiden, sondern auch das Verlangen darnach ist mit der Wurzel auszurotten. Denn nicht genügt es, dasselbe nicht zu besitzen, wozu man sich auch meistens aus Noth verstehen muß, sondern selbst wenn es Einem angeboten wurde, darf man den Willen nach demselben nicht aufkommen lassen. Die Zorneswuth muß ertödtet, die niederschlagende Traurigkeit überwunden, die Cenodoxie d. i. die eitle Ruhmsucht verachtet, der Stolz mit Füßen getreten, die unbeständigen und unstäten Zerstreuungen des Geistes durch den beständigen Gedanken an Gott gezügelt werden. So oft müssen wir die schlüpfrige Ausschweifung unseres Herzens zur Betrachtung Gottes verweisen, als der schlaue Feind bei seinem Versuche, unsern Geist dieser Betrachtung zu entziehen, sich in die Verirrungen unseres Herzens einschleicht.
