19. Die Zeit der Einführung der Götterdienste.
S. 147 Das sind die Geheimdienste der Götter. Suchen wir nun auch nach dem Ursprung der Götterdienste, um die Urheber und die ersten Zeiten der Einführung herauszubringen. Didymus1 sagt in seiner Erklärung des Pindar: „Melisseus war König auf Kreta; seine Töchter waren Amalthea und Melissa; diese haben den Jupiter mit Ziegenmilch und Honig genährt. Melisseus hat neue Gebräuche und festliche Aufzüge eingeführt und zuerst den Göttern geopfert, und zwar der Vesta, die Tellus genannt wird“ — daher singen die Dichter: „Tellus, die erste der Götter2 — und nach ihr der Mutter der Götter.“ Von Jupiter selbst berichtet Euhemerus in seiner Heiligen Geschichte, daß er nach Übernahme der Herrschaft an vielen Orten sich Heiligtümer errichtet habe. Denn sobald er auf seiner Wanderung um den Erdkreis an einen Ort kam, verband er sich die Häuptlinge der Völker durch Freundschaft und Gastrecht. Und damit die Erinnerung an die Tatsache erhalten bliebe, ließ er sich ein Heiligtum errichten und von den Gastfreunden jährliche Feste veranstalten. So breitete er die Verehrung seines Namens über alle Länder aus. Die Zeit dieser Ereignisse kann leicht bestimmt werden. Thallus3 schreibt in seiner Geschichte: „Belus, König der Assyrier, den die Babylonier göttlich verehren und der ein Zeitgenosse und Freund des Saturnus war, ging dem Trojanischen Krieg um dreihundertzweiundzwanzig Jahre voraus.“ Seit der Eroberung Iliums aber sind es Vierzehnhundertsiebzig Jahre. Daraus ist ersichtlich, daß es nicht mehr als achtzehnhundert Jahre sind, seitdem die neuen Götterdienste eingeführt und das menschliche Geschlecht in Irrtum gestürzt wurde.
