Vierter Artikel. Die Ceremonien des Alten Gesetzes teilen sich in Opfer, Sakramente. Heiligtümer und Gebräuche.
a) Diese Einteilung ist unzulässig. Denn: I. Die Ceremonien des Alten Gesetzes sollten Christum vorbilden. Dies aber geschah allein vermittelst der Opfer, der Figuren nämlich jenes Opfers, „durch das Christus Sich selbst dargebracht hat.“ Ephes. 5, 2. II. Das Alte Gesetz hat zum Zwecke das Neue, wo das Opfer selber das Altarssakrament ist. Also mußte man nicht unterscheiden im Alten Bunde zwischen Opfer und Sakramente. III. „Heiligtum“ ist, was Gott geweiht worden. Alles aber, was die Ceremonien betrifft, ist Gott geweiht und nicht bloß die heiligen Gefäße, das heilige Zelt etc. IV. „Gebräuche“ werden so genannt vom Gebrauchen. Jedoch alle Vorschriften des Gesetzes wurden gebraucht, nach Deut. 8.: „Vergesse nicht des Herrn deines Gottes; und vernachlässige nicht seine Gebote, seine Urteile, seine Ceremonien.“ V. Die Festlichkeiten zählen unter dem Ceremonialem, da sie nach Kol. 2. der Schatten des Zukünftigen sind. Aber dies sind nach Hebr. 9. auch die Opfergaben und Geschenke, welche doch in keiner der genannten Arten des Ceremonialen enthalten sind. Also ist die obige Einteilung unstatthaft. Auf der anderen Seite werden die Opfer im Alten Testamente Ceremonien genannt, Num. 15: „Er soll opfern ein Kalb und sein Opfer und Trank spenden, wie die Ceremonien das verlangen.“ Sakramente werden Ceremonien genannt, Lev. 7.: „Das ist die Salbung (also die Weihe zum Priester) Aarons und seiner Sühne in den Ceremonien. Heiligtümer heißen Ceremonien, Exod. 18.: „Das sind die Werkzeuge für das Zelt des Zeugnisses in den Ceremonien der Leviten.“ Die Gebräuche heißen Ceremonien, 3. Kön. 9.: „Wenn ihr abfallt und mir nicht folget und nicht gebrauchet die Ceremonien, die ich euch vorgelegt habe.“
b) Ich antworte, im Kulte Gottes können betrachtet werden 1. der Kult selbst; 2. die Anhänger des Kultes; 3. die Werkzeuge des Kultes. Der Kult selber besteht in den Opfern, die aus Ehrfurcht vor Gott dargebracht werden. Die Werkzeuge des Kultes sind die Heiligtümer, wie das heilige Zelt, die heiligen Gefäße u. dgl. Von seiten der Anhänger des Kultes XL. sind es zuvörderst die Diener des Heiligtums, die für den Kult eigens bestimmt und dafür geheiligt werden durch die Sakramente; und dann das Volk oder die Anhänger des Kults, welche sich unterscheiden von denen, die Gott nicht ehren, durch die Gebräuche in Speise, Trank, Kleidung u. dgl.
c) I. Die Opfer mußten dargebracht werden an gewissen geheiligten Orten und von gewissen geheiligten Menschen; und dies Alles gehörte zum Kulte. Also wie durch das Opfer bezeichnet wurde Christus als geopfert, so durch die Sakramente und Heiligtümer die Sakramente und Heiligtümer des Neuen Bundes; und durch die Gebräuche das Leben des christlichen Volkes; das Alles bezieht sich auf Christum. II. Das Opfer des Neuen Bundes enthält Christum selbst, den Urheber der Heiligung. Denn „Er heiligte durch sein Blut sein Volk“, nach Hebr. 13. Also ist dieses Opfer auch Sakramentzeichen der Heiligkeit. Die Opfer des Alten Bundes aber enthielten nicht Christum, sie waren nur eine Figur von Ihm; und deshalb heißen sie nicht Sakramente. III. Alle Opfer und Sakramente waren Heiligtümer. Aber es gab Heiligtümer wie die heiligen Gefäße, die nicht Opfer oder Sakramente waren; und so behielten sie den gemeinsamen Namen. IV. „Gebräuche“ ist ein allgemeiner Ausdruck, der hier für das im gewöhnlichen Leben des auserwählten Volkes Übliche steht. Sie werden nicht „Heiligtümer“ genannt, weil sie keine unmittelbare Beziehung zum Kulte Gottes hatten, wie das heilige Zelt und die heiligen Gefäße; jedoch sind sie Ceremonialien, weil sie eine gewisse Folge der Ceremonien waren, insofern sie das Volk für den Kult Gottes geeignet machten. V. Die Opfer wurden an gewissen Orten und zu gewissen Zeiten dargebracht. Also gehörten auch die Festlichkeiten zum Ceremonialem. Die Opfergaben und Geschenke zählen mit den Opfern. Deshalb sagt Paulus Hebr. 5.: „Jeder Hohepriester, aus den Menschen entnommen, wird aufgestellt für die Menschen in dem, was Gott anbetrifft, daß er Gaben und Opfer darbringe für die Sünden.“
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