Erster Artikel. Das Bekennen des Glaubens ist ein Glaubensakt.
a) Das Gegenteil wird klar gemacht aus folgenden Gründen. Denn: I. Ein und derselbe Akt gehört nicht verschiedenen Tugenden an. Das Bekennen aber gehört zur Tugend der Reue und ist ein Teil derselben. II. Furcht oder irgend welche Beschämung hindern manchmal den Menschen darin, daß er seinen Glauben bekennt. Deshalb bittet der Apostel (Ephes. ult.), man möge für ihn beten, „damit er mit Zuversicht das Evangelium und die darin enthaltenen Geheimnisse bekannt mache.“ Vom Guten aber nicht abweichen wegen Furcht oder Beschämung, gehört zur Tugend der Stärke, welche den Zügel hält zwischen der Kühnheit und der Furcht. Nicht also handelt es sich hier um einen Akt des Glaubens. III. Wie jemand durch die Glaubensglut angeleitet wird zum äußerlichen Bekennen des Glaubens, so auch zu anderen äußeren Werken; wie Paulus (Gal. 5.) sagt, „daß der Glaube durch die Liebe wirke.“ Andere äußere Werke aber werden nicht als Glaubensakte bezeichnet. Also darf dies auch nicht beim Bekennen des Glaubens geschehen. Auf der anderen Seite sagt Paulus (II. Thess. 1.): „Und das Werk des Glaubens in der Kraft,“ wozu die Glosse bemerkt: „d. h. das Bekennen des Glaubens, was so recht eigentlich das Werk des Glaubens ist.“
b) Ich antworte, die äußeren Akte gehören recht eigentlich jener Tugend zu, auf deren Zweck sie der Gattung nach sich beziehen. So z. B. bezieht Fasten sich der Gattung nach auf den Zweck der Enthaltsamkeit, der da ist das Fleisch zügeln und ist somit ein Akt der Enthaltsamkeit. Das äußere Bekennen aber dessen, was zum Glauben gehört, wird der Gattung nach wie zu seinem Zwecke hingeordnet zu dem, was des Glaubens ist, nach 2. Kor. 4.: „Besitzend den nämlichen Geist des Glaubens glauben wir… ., weshalb wir auch sprechen.“ Denn die äußere Rede hat zum Zwecke, das auszudrücken, was im Herzen aufgefaßt wird. Wie also die innere Erfassung dessen, was zum Glauben gehört, recht eigentlich ein Akt des Glaubens ist, so auch das äußere Bekenntnis.
c) I. Dreifach ist das Bekenntnis, welches von der Schrift gelobt wird: 1. Das Bekennen dessen, was zum Glauben gehört; und das ist im eigentlichsten Sinne ein Glaubensakt, denn es steht in Beziehung zum Zwecke des Glaubens; — 2. das Bekennen des Dankes oder des Lobes; und das ist ein Akt der Gottesverehrung, denn es bezieht sich auf die äußere Ehre, die Gott geschuldet wird, was der Zweck der Gottesverehrung ist; — 3. das Bekennen der Sünden, um die Sünde zu tilgen; und das ist der Zweck der Reue. II. Was das Hindernis nur entfernt, ist nicht seinem inneren Wesen nach, an und für sich, Ursache; sondern in einer von außen her hinzutretenden Weise. Die Stärke also, welche das Hindernis für das Bekennen des Glaubens entfernt, nämlich die Furcht oder die falsche Scham, ist nicht an sich, ihrem Wesen nach, Ursache des Bekennens. III. Der innere Glaube verursacht vermittelst der Liebe alle äußeren Tugendakte, indem er vermittelst der Liebe und der anderen Tugenden befiehlt; das Bekennen aber verursacht er als seinen eigenen äußeren Akt, ohne weitere Vermittlung anderer Tugenden.
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