Erster Artikel. Die Freude ist eine Wirkung der heiligen Liebe.
a) Dies scheint nicht. Denn: I. Aus der Abwesenheit des geliebten Gegenstandes folgt vielmehr Trauer wie Freude. Gott aber ist für jetzt von uns abwesend; denn „so lange wir im Körper sind, pilgern wir fern von Gott.“ (2. Kor. 5.) II. Durch die heilige Liebe verdienen wir die Seligkeit. Eine Seligkeit aber ist die Trauer, nach Matth. 5.: „Selig die Traurigen.“ III. Nach Röm. 12. folgt die Freude aus der Hoffnung; also nicht aus der Liebe. Auf der anderen Seite „ist die Liebe Gottes in unseren Herzen ausgegossen durch den heiligen Geist, der uns gegeben worden.“ (Röm. 5.) Der heilige Geist aber ist Ursache der Freude, nach Röm. 14.: „Nicht ist das Reich Gottes Speise und Trank; sondern Gerechtigkeit, Friede und Freude im heiligen Geiste.“
b) Ich antworte, aus der Liebe folge Freude und Trauer (I, II. Kap. 25, Art. 1, 2, 3); aber unter verschiedenen Gesichtspunkten. Freude geht aus der Liebe hervor, insoweit das geliebte Gut entweder gegenwärtig ist oder insoweit dem geliebten Gegenstände das Gute innewohnt und da bleibt; was Letzteres zumal die Liebe der Freundschaft anbetrifft, kraft deren das Gute im Freunde geliebt wird, mag dieser auch abwesend sein. Und umgekehrt folgt Trauer aus der Liebe, insoweit der geliebte Gegenstand nicht gegenwärtig ist oder demselben etwas mangelt. Die heilige Liebe aber ist die Liebe Gottes, der seine Güte ist und der eben deshalb weil Er geliebt wird im liebenden ist, wo Er bewirkt, daß Er in der edelsten Weise gegenwärtig ist; nach Joh. 4.: „Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ Also wird die geistige Freude, die wir an Gott haben, durch die Liebe verursacht.
c) I. „Fern von Gott pilgern“ wird gesagt, weil Gott noch nicht in der Weise uns gegenwärtig ist, wie Er in der Anschauung es sein wird; denn „im Glauben wandeln wir.“ II. Die Trauer erstreckt sich auf alles Jenes, was der Seligkeit widerstreitet. Also unter demselben Gesichtspunkte, unter dem die Liebe Freude verbreitet, verursacht sie Trauer über das Hindernis der wahren Freude. III. Wir können uns freuen an Gott in Sich betrachtet und dann insoweit wir am göttlichen Gute Anteil haben. Die erste Freude ist besser; sie kommt von der Liebe. Die zweite Freude kommt von der Hoffnung.
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