Zweiter Artikel. Eine vernunftlose Kreatur kann man verfluchen.
a) Dies ist nicht gestattet. Denn: I. Das Verfluchen ist vorzugsweise erlaubt, soweit es mit einer Strafe verbunden ist. Die vernunftlose Kreatur ist aber keinerlei Strafe zugänglich. II. In der vernunftlosen Kreatur findet sich nur die Natur, die Gott gemacht hat und der zu fluchen nicht erlaubt ist. III. Die vernunftlose Kreatur ist entweder bleibend wie die Körper oder vorübergehend wie die Zeit. Gregor aber sagt (4. moral. 2.): Müßig ist es, dem Nichtexistierenden zu fluchen; fehlerhaft, dem zu fluchen, was existiert.“ Auf der anderen Seite fluchte der Herr dem Feigenbaume (Matth. 21.) und Job fluchte dem Tage seiner Geburt. (Job 3.)
b) Ich antworte, Segen und Fluch gehöre eigentlich allein der vernünftigen Kreatur an, der etwas Gutes oder etwas Schlechtes begegnen kann; der vernunftlosen nur insofern, als sie dem Zwecke der vernünftigen Kreatur dient. Letzteres geschieht nun: 1. insoweit die vernunftlose Kreatur der menschlichen Not abhilft; und mit Bezug darauf sagte der Herr: „Verflucht sei die Erde in deinem Werke“ (Gen. 3.), daß sie nämlich durch Unfruchtbarkeit den Menschen strafe und so verstehe man Deut. 28, 5.: , Gesegnet seien deine Scheunen.“… „Verflucht sei deine Scheune;“ so fluchte auch David den Bergen Gelboë (Gregor 4. Moral. 3. et 4.); — 2. insoweit die vernunftlose Kreatur etwas bezeichnet; und so fluchte der Herr dem Feigenbaume, um die Verwerfung Judäas auszudrücken; — 3. insoweit Zeit und Ort die vernünftige Kreatur umschließen; und so fluchte Job dem Tage seiner Geburt wegen der Erbschuld, die er in sich hatte und der nachfolgenden, mit ihr verbundenen Mühseligkeiten. Fluchen nun den vernunftlosen Kreaturen als Kreaturen Gottes, ist Lästerung; ihnen fluchen an sich, in ihrem Wesen betrachtet, ist müßig und eitel.
c) Damit beantwortet.
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