Erster Artikel. Man soll Gott mit dem Munde preisen.
a) Dagegen spricht: I. Aristoteles sagt (1 Ethic ult.): „Die am höchsten stehen im Guten, werden nicht gelobt und gepriesen, ihnen gilt etwas Besseres;“ und Ekkli. 43. heißt es ausdrücklich von Gott: „Er sei größer als alles Lob.“ II. Nach Matth. 15. wird Gott besser gelobt im Herzen wie mit dem Munde; wie auch der Prophet sagt (Isai. 29.): „Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen; ihr Herz aber ist weit von mir entfernt.“ III. Man lobt jemanden, um ihn zu noch Besserem aufzumuntern, wie Prov. 27. es heißt: „Wie das Gold erprobt wird im Feuer, so der Mensch durch den Mund derer, die ihn loben.“ Gott aber kann man nicht zum Besserem hin bestimmen. Also ist da mündlicher Lobpreis überflüssig. Auf der anderen Seite heißt es Ps. 62.: „Mit Lippen des Lobes wird preisen mein Mund.“
b) Ich antworte, mit Bezug auf den Menschen bedienen wir uns der Worte, damit unser Gedanke demselben bekannt werde. Loben wir also einen Menschen, so soll ihm unsere gute Auffassung über ihn bekannt werden, damit er noch Besseres thue; und die anderen, die unser Lob hören, sollen über den betreffenden ebenfalls gut denken und ihm nacheifern. Zu Gott aber sprechen wir, damit wir uns und andere zur Ehrfurcht vor Ihm anleiten. Nicht also wegen Gottes, sondern um des lobpreisenden selber willen, ist der Lobpreis eine Notwendigkeit; wie es Ps. 49. heißt: „Das Opfer des Lobpreises wird mich ehren; und da ist der Weg, auf dem ich ihm das Heil Gottes zeigen will.“ Insoweit also der menschliche Wille durch die Lobpreisung zu Gott emporsteigt, zieht er sich von dem zurück, was Gott entgegen ist, nach Isai. 48.: „Dadurch daß du mich lobest, will ich dir einen Zügel anlegen, daß du nicht zu Grunde gehst.“ Auch für die hörenden ist das Lob Gottes nützlich, nach Ps. 33.: „Immer sei Dein Lob in meinem Munde“ und gleich darauf: „Die sanftmütigen sollen es hören und sich freuen: preiset Gott mit mir.“
c) I. Gemäß seinem Wesen betrachtet ist Gott unbegreiflich und steht höher als jedes Lob. Danach ist Ihm die Ehre der Anbetung geschuldet. Gemäß den Werken aber, die zu unserem Nutzen Gott geschaffen hat, gebühhrt Ihm Preis und Lob, nach Isai. 63.: „Gedenken will ich der Erbarmungen Gottes; sein Lob will ich verkünden als Entgelt für Alles, was der Herr uns gethan.“ Deshalb sagt Dionysius (de div. nom. 1?) „Jeder heilige Lobgesang, der sich auf Gott bezieht, macht offenbar und preist Gott mit Namen, welche die von Ihm ausgegangenen Wirkungen verherrlichen.“ II. Das Lob des Mundes ist unnütz ohne das Lob des Herzens. Darum llobpreist der Mensch wahrhaft mit seinem Munde Gott, wenn sein Herz voll ist von Dankbarkeit für die Großthaten Gottes. Das äußere Lob Gottes aber kann das eigene Herz entzünden und das Herz anderer zum Lobe Gottes. III. Zu unserem Nutzen loben wir Gott.
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