Vierter Artikel. Das Verhältnis der göttlichen Personen zum Ausdrucke: allein.
a) Es scheint, daß der Ausdruck „allein“ oder ein ähnlicher, der die Gemeinsamkeit ausschließt, mit einer Bezeichnung des Persönlichen in Gott verbunden werden könne, obgleich vom Prädikat das Gemeinsame bezeichnet werde. Denn: I. Der Herr sagt, zum Vater sprechend (Joh. 17, 3.): „Damit sie Dich erkennen, den alleinigen wahren Gott.“ Also der Vater allein ist wahrer Gott. „Wahrer Gott“ bezeichnet aber das Gemeinsame. II. Ähnlich heißt es Matth. 11, 27.: „Niemand kennt den Sohn, außer der Vater.“ Also der Vater allein kennt den Sohn. Den Sohn kennen aber ist etwas Gemeinsames. III. Die ausschließende Redeweise schließt nicht jenes aus, was zum Verständnisse des Subjekts gehört, zu dem es hinzugefügt erscheint. Weder den Teil noch den allgemeinen Gattungsbegriff schließt ein solches Wort aus. Denn wem ich z. B. sage: Sokrates ist weiß; so folgt daraus nicht: Die Hand des Sokrates ist nicht weiß; oder: Der Mensch ist nicht weiß. Die Hand nämlich sowohl als Teil wie der Mensch als allgemeiner Gattungsbegriff des Sokrates gehören zum Verständnisse dieses letzteren. Zum Verständnisse des Vaters aber gehört der Sohn und umgekehrt. Dadurch also, daß gesagt wird: Der Vater allein ist Gott, wird weder der Sohn noch der heilige Geist ausgeschlossen. Und so scheint eine solche Redeweise richtig zu sein. IV. Von der Kirche wird gesungen: „Du allein der Höchste, Jesus Christus.“ Auf der anderen Seite hat dieser Satz: „Der Vater allein ist Gott“ zu seiner Erklärung zwei Sätze notwendig; nämlich: „Der Vater ist Gott“ und „Kein Anderer als der Vater ist Gott“. Dieser zweite Erklärungssatz aber ist falsch, denn der Sohn ist ein anderer wie der Vater und ist Gott. Also dies und ähnliches ist falsch: „Der Vater allein ist Gott.“
b) Ich antworte; wenn wir sagen: „Der Vater allein ist Gott,“ so kann dieser Satz in vielfacher Weise aufgefaßt werden. Soll nämlich das. „allein“ ausdrücken, der Vater sei einsam für sich allein, so ist dies falsch im „kategorematischen“ Sinne als einfaches, aus sich heraus bezeichnendes Prädikat von der einzelnen Person des Vaters. Wird das „allein“ im „synkategorematischen“ Sinne als einfacher Zusatz zu „Vater“ in Beziehung auf das Prädikat genommen, so kann das „allein“ nur rein von der Form des Subjekts ausschließen, die Gottheit nämlich dem zuschreiben, mit welchem niemand das Vatersein gemeinsam hat; so daß der Sinn wäre: Der Vater allein, d. h. jener, mit dem zusammen niemand anders, der da allein Vater ist, der ist Gott. Und so ist der Satz wahr. In dieser Weise spricht Augustin <6. de Trin. cap. 6.): „Wir sagen: der Vater allein; nicht weil Er getrennt wäre vom Sohne oder vom heiligen Geiste; sondern wir bezeichnen damit, daß diese mit Ihm das Vatersein nicht gemeinsam haben.“ Dieser Sinn aber folgt nicht aus dem gewöhnlichen Sprachgebrauche; wenn nicht jenes mitverstanden wird: „Jener, der allein Vater genannt wird, ist Gott.“ Nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche schließt das „allein“, in dieser Weise gebraucht, es vielmehr aus, daß das Prädikat noch anderen zukomme. Und nach dieser Seite hin also ist der Satz falsch, wenn er einen „Anderen“ ausschließt vom Gottsein; er ist richtig, wenn er etwas „Anderes“ ausschließt vom Gottsein. Denn der Sohn ist ein „Anderer“ wie der Vater; nicht aber etwas „Anderes“; und dasselbe gilt vom heiligen Geiste. Weil nun der Ausdruck „allein“ eigentlich das Subjekt, den Vater hier, berücksichtigt, so kommt es ihm vielmehr zu, einen „Anderen“ auszuschließen vom Gottsein wie etwas „Anderes“. Und daher sind solche Ausdrucksweisen nicht auszudehnen und willkürlich zu gebrauchen, sondern vielmehr gemäß der Wahrheit irgendwie zu erklären, wenn sie sich in den hei-ligM oder sonstigen maßgebenden Schriften finden.
c) Wenn wir sagen: „Dich, den alleinigen wahren Gott,“ so bezieht sich dies auf die ganze Dreieinigkeit. (Augustinus 6. de Trin. cap. 9.) Oder wenn es von der Person des Vaters verstanden wird, so werden auf Grund des einen gemeinsamen göttlichen Wesens die anderen Personen nicht ausgeschlossen; insofern das „alleinig“ nur „das Andere“ (aliud) ausschließt. II. Dasselbe gilt als Antwort auf den zweiten Einwurf. Denn wird etwas zum Wesen Gehöriges vom Vater ausgesagt, so gilt dies auf Grund der Einheit des Wesens auch vom Sohne und dem heiligen Geiste. Das „niemand“ in dieser Stelle ist somit nicht gleichbedeutend mit „kein Mensch“, könnte ja doch dann die Person des Vaters nicht ausgenommen werden, so daß es hieße: „Kein Mensch kennt den Sohn, wie der Vater, die erste Person in der Gottheit.“ Das „niemand“ wird vielmehr nach diesem Sprachgebrauche im allgemeinen für jede vernünftige Natur genommen; also, „wie der Vater kraft seiner vernünftigen (göttlichen, den drei Personen gemeinsamen) Natur.“ III. Eine ausschließende Redeweise schließt allerdings nicht jene Dinge aus, welche im Verständnisse des Subjekts, zu dem das ausschließende Wort hinzugesetzt ist, enthalten sind, wie z. B. den Teil oder den allgemeinen Gattungsbegriff. Wohl aber schließt eine solche Redeweise jenes aus, was subjeketiv, nämlich dem Für-sich-bestehen oder der Person nach, verschieden ist vom Subjekte. Der Sohn aber unterscheidet sich der Person nach vom Vater; und deshalb ist der Einwurf ungerechtfertigt. IV. Die Kirche singt im Gloria, „daß der Sohn allein der Höchste sei;“ jedoch „zusammen mit dem heiligen Geiste in der Herrlichkeit des Vaters“.
