Dritter Artikel. Gegenstand der Prachtliebe sind große Aufgaben.
a) Dem scheint nicht so. Denn: I. Auf die Geldausgaben richtet sich die Freigebigkeit. Also ist eine andere Tugend dafür unnütz. II. „Jeder prachtliebende ist freigebig“ (I. c.). Die Freigebigkeit aber bezieht sich mehr auf Geschenke wie auf Geldaufwendungen für große Werke. Also ist dies auch mit der Prachtliebe der Fall. III. Die Prachtliebe geht es an, ein außenstehendes Werk aufzurichten. Nicht alle großen Ausgaben aber werden für solche Werke gemacht, sondern viele auch für die.Sendung von gewohnheitsmäßigen Geschenken an gewissen Tagen. Also kann man nicht sagen, die Prachtliebe beschäftige sich so recht eigentlich mit großen Ausgaben. IV. Große Aufwendungen können nur reiche Personen machen. Die Tugenden alle aber können auch die armen haben; denn „die Tugenden bedürfen nicht mit Notwendigkeit des Beistandes von außen, sondern sie genügen sich selbst,“ sagt Seneca. (1. de ira 9.) Also hat die Tugend der Prachtliebe nicht zum Gegenstande große Auslagen. Auf der anderen Seite heißt es 4 Ethic. 2.: „Die Prachtliebe erstreckt sich nicht auf alle Thätigkeiten, wo Geld mit ins Spiel kommt, wie die Freigebigkeit; — sondern sie beschäftigt sich nur mit großen Aufwendungen und steht mit Rücksicht auf diese Größe der Freigebigkeit voran.“
b) Ich antworte; soll die Prachtliebe als Tugend sich auf großartige Werke richten, so muß sie sich notwendig wie mit ihrem eigensten Gegenstande mit großen Ausgaben befassen; denn zu großen Werken gehören verhältnismäßige Geldaufwendungen. Dazu aber ist eine Tugend nötig; denn von großen Ausgaben hält die überflüssige Liebe zum Gelde ab. Diese Liebe zum Gelde also wird geregelt durch die Tugend der Prachtliebe; das Geld benützt sie zu großen Ausgaben; und die großen Ausgaben macht sie, um ein großes Werk zu vollenden.
c) I. Die Tugenden, welche sich mit den äußeren Dingen befassen haben eine gewisse Schwierigkeit auf Grund der „Art“ der Dinge selbst, um die es sich bei der einzelnen Tugend handelt (vgl. Kap. 129, Art. 2.) und zudem auf Grund des Umfanges, des „Mehr“ oder „Minder“ nämlich in diesen Dingen. Deshalb richten sich auf das Geld und dessen Gebrauch zwei Tugenden; — nämlich die Freigebigkeit, welche den gewöhnlichen Gebrauch des Geldes regelt; und die Prachtliebe, welche Großartiges im Ausgeben des Geldes berücksichtigt. II. Sache des freigebigen ist es, in geregelter Weise und auf Grund einer geordneten Hinneigung zum Gelde sich dessen zu bedienen für Geschenke und Ausgaben mit Überwindung des Hindernisses, welches von der Liebe zum Gelde kommt. Sache des prachtliebigen aber ist es, das Geld zu gebrauchen mit Beziehung auf ein großes Werk, was er machen will; und solcher Gebrauch kann nicht sein ohne großen Aufwand. III. Der prachtliebende macht auch Geschenke; aber nicht unter dem Gesichtspunkte von Geschenken, sondern unter dem Gesichtspunkte eine Werkes; z. B. um jemanden zu ehren oder um etwas zu thun, wovon das ganze Gemeinwesen Ehre erntet. IV. Die innere Wahl ist die Hauptthätigkeit bei jeder Tugend; und danach kann auch der arme prachtliebend sein. Zu den äußeren Akten der Tugenden aber wird Beistand von außen her verlangt; wie der Kunst Werkzeuge nötig sind, wenn sie thatsächlich etwas schaffen will. Und danach kann der arme nicht schlechthin in prachtliebender Weise thätig sein; sondern höchstens im Bereiche dessen kann er etwas Großes thatsächlich thun, wo das Große nur im Verhältnisse zu Anderem, nicht schlechthin groß ist; denn „groß“ und „klein“ sagt man gemäß verschiedenen Beziehungen aus. (praedic. ad aliquid.)
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