Sechster Artikel. Das Verhältnis der Personen zu den Wesensnamen, insofern die Personen von diesen ausgesagt werden.
a) Das scheint falsch zu sein: Gott ist drei Personen oder Er ist Dreiheit. Denn: I. Dieser Satz ist falsch: Der Mensch ist jeder Mensch; er findet nämlich keine Wahrheit für einen einzelnen Menschen, weder nämlich Sokrates ist jeder Mensch, noch Plato, noch ein anderer. Und ähnlich geht es mit diesem: Gott ist die Dreieinigkeit. Denn weder der Vater ist die Dreieinigkeit, noch der Sohn, noch der heilige Geist. II. Was in einem Höheren als Teil enthalten ist, darf nicht von diesem Höheren, außer unter gewissen Voraussetzungen, ausgesagt werden; wie z. B. ich nicht sagen kann: Das Sinnbegabte ist Mensch, außer unter der Voraussetzung, daß dieses „Sinnbegabte“ zugleich vernünftig ist; denn an und für sich ist das „vernünftig Sinnbegabte“, der Mensch nämlich, nur ein Teil der allgemeinen Art „sinnbegabt“. Dieser Name „Gott“ aber verhält sich zu den drei göttlichen Personen wie das Allgemeine zu dem einzelnen darin Enthaltenen; wie Damascenus (3. de orth. fide 4.) sagt. Also können die Namen der Personen von diesem Ausdrucke „Gott“ als dem Subjekte nur unter gewissen Voraussetzungen und nicht unbedingt ausgesagt werden. Auf der anderen Seite sagt Augustin (sermo 2. de coena Dom.): „Wir glauben, daß der eine Gott eine Dreieinigkeit göttlichen Namens sei.“
b) Ich antworte, wie schon auseinandergesetzt worden, Adjektivnamen könnten nicht, sobald sie das Persönliche bezeichnen, vom Wesen ausgesagt werden; wohl aber entsprechende Substantivnamen wegen der Identität im wirklichen Sein zwischen Person und Wesen. Das göttliche Wesen ist dem wirklichen Sein nach nicht nur ein und dasselbe wie eine Person, sondern es ist ein und dasselbe wie die drei Personen. Deshalb können sowohl eine Person wie auch zwei oder die drei Personen vom Wesen ausgesagt werden; so daß wir sagen: Das göttliche Wesen ist der Vater und der Sohn und der heilige Geist. Und weil dieser Name es aus sich heraus hat, daß Er als Subjekt für das Wesen gesetzt wird, so ist es richtig zu sagen: Das göttliche Wesen ist die drei Personen; — oder: Gott ist die drei Personen.
c) I. Es ist oben bereits gesagt worden, das Wort „Mensch“ deute von sich aus als Subjekt zuerst auf die einzelne Person; und nur kraft eines Zusatzes könne es als Subjekt für das menschliche, allgemeine Wesen gelten. Und deshalb ist dieser Satz falsch: Der Mensch ist jeder Mensch; denn für keine menschliche Person findet er eine der Wahrheit entsprechende Anwendung. Aber dieser Name „Gott“ steht umgekehrt von sich aus als Subjekt für das Wesen Gottes; und deshalb ist es, auch abgesehen von jeder einzelnen Person, wahr, zu sagen: Gott ist die Dreieinigkeit; und da steht „Gott“ für das „Wesen“, was Porretanus nicht berücksichtigte und deshalb den Satz für falsch erklärte. . II. „Gott oder das göttliche Wesen ist der Vater“ ist keine Aussage auf Grund des Verhältnisses zwischen dem Allgemeinen und dem darin enthaltenen Einzelnen; sondern es wird dies gesagt auf Grund der Identität im wirklichen Sein. In Gott ist ja kein Allgemeines und Besonderes. Wie also dieser Satz an sich wahr ist: Der Vater ist Gott; so auch dieser: Gott ist der Vater; und zwar ohne weitere Voraussetzung.
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