Sechster Artikel. Die „notionalen“ Thätigkeiten können nicht von mehr Personen ausgesagt werden.
a) Dagegen spricht: I. Wem das Vermögen zu zeugen innewohnt, der kann zeugen. Dem Sohne aber wohnt dieses Vermögen inne; denn Er hat die göttliche Natur, wodurch der Vater zeugt. Also kann es mehrere Söhne in Gott geben; und ebenso mehrere Personen, die wie der heilige Geist hervorgehen. II. Angustin sagt (3. contra Maximinum 12.): „Der Sohn hat nicht den Schöpfer erzeugt; nicht als ob Er es nicht gekonnt hätte, sondern weil es nicht notwendig war.“ III. Gott Vater ist mächtiger, um zu zeugen, wie ein Mensch. Der Mensch aber kann mehrere Söhne zeugen. Also kann Gott mehrere Söhne zeugen, zumal sein Vermögen nie sich verringert. Auf der anderen Seite ist in Gott kein Unterschied zwischen Sein und Können. Wenn also in Gott mehrere Sohne sein könnten, so wären sie; und so beständen mehr wie drei Personen, was häretisch ist. 256.
b) Ich antworte; in Gott ist, wie Athanasius im Symbolum sagt, nur ein Vater, nur ein Sohn, nur ein heiliger Geist. Davon können vier Gründe angegeben werden: 1. Von seiten der Relationen, durch welche allein die Personen unterschieden werden. Denn da in Gott die Relationen selber für sich bestehen, so könnten nicht mehrere Söhne und mehrere Väter in Gott sein, wenn nicht mehrere Vaterschaften und Sohnschaften wären. Das könnte aber nur sein, wenn der Unterschied dem Stoffe nach in Betracht gezogen wird. Denn die Wesensform einer Gattung wird nur vervielfacht durch den Stoff, in dem sie sich befindet; die Wesensform des Menschen z. B. oder der Pflanze ist immer ein und dieselbe; es bestehen mehrere Menschen, mehrere Pflanzen nur deshalb, weil dieselbe Form in mehrfachem Stoffe Einzelsein gewinnt. Stoff aber ist nicht in Gott. Also kann in Gott nur eine für sich bestehende Sohnschaft sein; wie auch nur eine „weiße Farbe“ wäre, wenn diese für sich bestände und nicht in verschiedenen Gegenständen sich fände. 2. Von seiten der Art und Weise des Ausgehens. Denn Gott will und erkennt alles mit dem einen und einfachsten Alte. Also kann nur eine Person sein, die nach Art des Wortes ausgeht; und nur eine, die nach Art der Liebe ausgeht. 3. Von seiten der Art und Weise auszugehen: denn die Personen gehen aus kraft der Natur. Die Natur aber ist mit Notwendigkeit auf Eines bestimmt. 4. Von seiten der Vollkommenheit der Personen. Denn deshalb ist der Sohn vollkommen, weil Er die ganze Sohnschaft in Sich enthält und weil Er der eine Sohn ist. Ähnlich gilt dies von den anderen Personen.
c) I. Der Sohn hat wohl alle Macht und alles Vermögen des Vaters. Aber Er hat nicht die Macht oder das Vermögen, zu zeugen, wenn davon der Sinn sein soll, Er habe das Vermögen, etwas zu erzeugen; sowie, obgleich der Vater dasselbe Sein hat wie der Sohn, trotzdem der Vater nicht der Sohn ist wegen des die Person unterscheidenden „notionalen“ Zusatzes. 263. Der Sohn hat aber das Vermögen, gezeugt zu werden als Person. Und Er hat gleichfalls das Vermögen zu zeugen, wenn von jeder persönlichen Beziehung abgesehen wird; nämlich wenn bloß berücksichtigt wird, wodurch der Vater zeugt: das eine Wesen. II. So nimmt es Augustin, der an der angezogenen Stelle meint; nicht daß der Sohn zeugen könnte, sondern daß Er dieses Vermögen nicht hat, das komme nicht von der Ohnmacht des Sohnes; der ja dasselbe Wesen besitzt wie der Vater. (Vgl. Kap. 42, Art. 6, ad 3.) III. Die reine Stofflosigkeit gerade und die Vollkommenheit Gottes erfordert es, daß nicht mehrere Söhne in Gott sind. 267. 268.
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