Achter Artikel Die Magier beteten zukömmlicherweise Christum an.
a) Dagegen spricht Folgendes: I. Jedem Könige gebührt Ehrfurcht von seiten seinen Unterthanen. Die Magier aber kamen, zu ehren „den neugeborenen König der Juden“, dessen Unterthanen sie doch als Nichjuden nicht waren. II. Thorheit ist es, einen weiteren König zu ehren, während der eigentliche König noch lebt. Herodes aber war König der Juden. III. Wer ein himmlisches Anzeichen hat, soll nicht ein menschliches suchen. Thörichterweise suchten also die Magier, die ein Stern vom Himmel führte, in Jerusalem von Menschen über die Wahrheit belehrt zu werden. IV. Das Darbringen von Geschenken und königliche Ehre gebührt nur thatsächlich regierenden Königen; was Christus nicht war. Auf der anderen Seite heißt es Isai. 60.: „Es werden wandeln die Völker in Deinem Lichte und die Könige im Glanze Deines Aufganges.“ Wer aber im himmlischen Lichte wandelt, irrt nicht.
b) Ich antworte, die Magier seien die Erstlinge der Heiden, die an Christum glauben würden. Und so erschien in ihnen, wie in einem Vorzeichen, der Glaube und die Andacht der Völker, die von ferne kommen, Christo gegenüber. Wie also der Glaube und die Andacht der Völker Christo gegenüber unter dem Antriebe des heiligen Geistes ohne Irrtum ist, so ist dafürzuhalten, daß die Magier, erleuchtet vom heiligen Geiste, in weiser Ordnung Christum geehrt haben.
c) I. Wie Augustin (2 serm. de Epiph.) sagt, „waren viele Könige der Juden bereits geboren worden und gestorben und keinen derselben hatten Magier aufgesucht, um ihn zu ehren. Nicht also einem Könige der Juden, wie jene es waren, wollten diese Fremdlinge, die von weither gekommen waren, so große Ehre erweisen; sondern sie hatten gelernt, jener sei geboren, in dessen Anbetung sie das Heil, was von Gott kommt, ohne Zweifel erlangen würden.“ II. In jener Ankündigung der Magier zu Jerusalem war vorgedeutet die Standhaftlgteit der Heiden, die Christum bis zum Tode bekennen würden: „Während sie den zukünftigen König betrachten,“ so Chrysostomus (hom. 2. in op. imp.), „fürchten sie nicht den gegenwärtigen; sie hatten Christum noch nicht gesehen und waren bereit, für Ihn zu sterben.“ III. „Jener Stern,“ so Augustin (de Epiph.), „der die Magier führte zum Hause, wo der Knabe war, konnte sie auch führen bis Bethlehem. Aber er entzog sein Licht, bis der Herr auch von den Juden in Jerusalem das Zeugnis erhalten hatte, in welcher Stadt Er würde geboren werden;“ damit sie so, wie Leo der Große bemerkt (4. de Epiph.), „durch das zweifache Zeugnis gefestigt im Glauben, jenen aufsuchten, den sowohl die strahlende Helle des Sternes wie die Autorität der Prophetie anzeigten.“ „Und so,“ fährt Augustin fort, „verkünden sie selbst den Juden die Geburt Chnsti; sie fragen nach dem Orte, sie glauben und suchen und drücken somit jene aus, die im Glauben wandeln und nach der Anschauung verlangen. Die Juden aber sind ähnlich denen, welche die Arche bauten; sie machten für die anderen das, was diese rettete, und sie selbst gingen unter. Es hörtenund gingen fort, die da gefragt hatten; es sprachen und blieben zurück die Gesetzeslehrer ähnlich den Meilensteinen, die den Weg zeigen und selbst nicht wandeln.“ Gottes Vorsehung aber hat es so gefügt, daß die Magier, nachdem der Stern sich entzogen hatte, in menschlichem Sinne und Verständnisse in Jerusalem eintraten und in der Königsstadt nach dem Könige fragten; — damit so in Jerusalem zuerst öffentlich die Geburt Christi verkündet würde, nach Isai 4.: „Von Sion wird ausgehen das Gesetz; und von Jerusalem das Wort des Herrn;“ und damit durch den Eifer der von weither kommenden Magier die Trägheit der ganz in der Nähe befindlichen Juden verurteilt würde. IV. „Hätten die Magier,“ so Chrysostomus (l. c.), „nach einem irdischen Könige gesucht und so ihn gefunden, sie würden beschämt worden sein, daß sie nutzlos eine so weite Reise unternommen hätten; und würden weder angebetet noch Gaben dargebracht haben. Da sie aber den himmlischen König gesucht hatten, beteten sie ihn an, obgleich sie kein Zeichen königlichen Ranges an Ihm erblickten; zufrieden allein mit dem Zeugnisse des Sternes. Sie sehen einen Menschen und anerkennen Gott und bringen Gaben dar, die der Würde Christi entsprechen: Gold wie dem großen König; Weihrauch wie dem allmächtigen Gott, denn Weihrauch wird beim Opfer angezündet, um Gott dargebracht zu werden; Myrrhe wie dem, der für das Heil der Menschen sterben will, denn mit Myrrhe salbt man die toten Leiber.“ „Dem geborenen Könige bringen wir Gold dar, wodurch die Weisheit bezeichnet wird,“ so Gregor der Große (hom. 10. in Evgl.), „wenn wir vor seinem Antlitze im Lichte der Weisheit glänzen; Weihrauch, wodurch die Andacht des Gebetes ausgedrückt wird, opfern wir, wenn wir uns des Gebetes befleißen; und Myrrhe, wenn wir des Fleisches Laster durch die Enthaltsamkeit abtöten.“
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