Fünfter Artikel. Der Wein der Rebe ist die eigenste Materie dieses Sakramentes.
a) Dies scheint nicht. Denn: I. In jeglichem Wasser, wenn es nur wahrhaft Wasser ist, kann getauft werden. Also mit jeder Art Wein, wie z. B. Apfelwein, muß man die Eucharistie vollenden können; zumal in manchen Ländern Wein nicht wächst. II. Essig ist eine Gattung Wein, der von der Rebe kommt, wie Jsidor (20 Etymol. 2.) sagt. Essig aber darf man nicht konsekrieren. Also nicht Wein von der Rebe ist die der Eucharistie eigene Materie. III. Wie vom Weinstocke der ausgepreßte gegorene Wein kommt, so auch die Weintraube und der Most. Most aber und die Traube darf man nicht konsekrieren. Denn im sechsten Konzil (Quinisextum c. 28.) heißt es: „Wir hören, daß manche Priester mit dem Opfer verbinden Weintrauben und so Beides dem Volke spenden. Wir verbieten, daß irgend ein Priester dies thue.“ Und Julius I. tadelt Priester, die Most konsekrieren (decret. 7.). Auf der anderen Seite verglich sich der Herr mit einem Weizenkorne und mit einem Weinstocke (Joh. 15, 1.). Nur aber Weizenbrot ist geeignete Materie für dieses Sakrament. Also ist auch nur Wein vom Weinstocke zu gebrauchen.
b) Ich antworte, nur Wein von der Rebe könne konsekriert werden: 1. weil Christus so das Sakrament eingesetzt, wie Er selbst sagt (Matth. 26.): „Ich werde nicht mehr trinken von diesem Gewächse des Weinstockes;“ — 2. weil als Materie der Sakramente betrachtet wird, was gemeinhin und für gewöhnlich als ein solcher Stoff gilt; Wein aber im eigentlichen Sinne wird nur jenes Naß genannt, welches vom Weinstocke kommt, die anderen so heißenden Flüssigkeiten haben diesen Namen wegen einer Ähnlichkeit mit dem Weine der Rebe; — 3. weil der Wein der Rebe mehr zukommt der Wirkung dieses Sakramentes, die da ist: geistige Freude, wie geschrieben steht (Ps. 103.): „Der Wein erfreut des Menschen Herz.“
c) I. Der wahre Wein kann leicht hingeschafft werden in die Länder, wo er nicht wächst, soweit er zu diesem Sakramente gebraucht wird. Was man sonst „Wein“ nennt, das heißt nur so wegen einer gewissen Ähnlichkeit mit dem Weine des Weinstockes. II. Essig ist verdorbener Wein. Er kann also ebensowenig konsekriert werden wie verdorbenes Brot. Wein aber, der zu Essig bereits wird, kann genommen werden. Die Konsekration ist gültig; aber der Priester sündigt (vgl. oben Art. 3 ad II.). III. Die Traube ist Wein auf dem Wege des Entstehens nur und hat deshalb noch nicht den Gattungscharakter des Weins. Also kann sie nicht konsekriert werden. Der Most aber ist bereits der Gattung nach Wein; denn seine Süße ist ein Zeichen des Gegorenseins. Also er kann gültigerweise konsekriert werden. Es dürfen jedoch nicht ganze Trauben beigemischt sein; denn da wäre bereits etwas, was nicht Wein ist. Verboten ist es aber, Most zu konsekrieren wegen der damit verbundenen Unreinheit, worin eine Unehrerbietigkeit gegen das Sakrament liegt. Gebietet dies die Notwendigkeit, so darf man damit konsekrieren. Deshalb fügt Julius hinzu: „Ist es notwendig, so mag man Most in den Kelch thun.“
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