Achter Artikel. Dieser Satz ist richtig: „Aus dem Brote wird der Leib Christi.“
a) Derselbe ist falsch. Denn: I. Wenn ausgesagt wird, daß etwas aus einem Anderen wird, so kann auch ausgesagt werden, daß es Jenes wird; aber nicht umgekehrt. Denn wir sagen, aus dem Weißen werde etwas Schwarzes und: das Weiße werde etwas Schwarzes. Aber wenn wir auch sagen können, der Mensch werde schwarz, so kann man doch nicht sagen, aus dem Menschen werde etwas Schwarzes. Wäre also es wahr, daß aus dem Brote der Leib Christi werde; so würde es auch wahr sein, zu sagen, das Brot werde der Leib Christi. Dies aber ist falsch; da das Brot nicht der Träger oder das Subjekt dieses Werdens ist, sondern ein Grenzpunkt. Also wird aus dem Brote nicht der Leib Christi. II. Das Werden hat zum Abschlußpunkte das Sein oder das Geschehensein. Dieser Satz aber ist niemals wahr: „Das Brot ist der Leib Christi“ oder: „Das Brot ist geworden oder wird sein der Leib Christi.“ Also auch dieser Satz ist nicht wahr: „Aus dem Brote wird der Leib Christi.“ III. Alles dies, woraus etwas wird, wird zu dem verwandelt, was aus demselben wird. Dieser Satz aber scheint falsch zu sein: „Das Brot wird verwandelt in den Leib Christi.“ Solche Verwandlung nämlich wäre wunderbarer wie die Erschaffung der Welt, bei der doch nicht gesagt wird: „Das Nichtsein ist in Sein verwandelt worden.“ Also. IV. Das, woraus etwas wird, kann dieses sein. Dieser Satz aber ist falsch: „Das Brot kann der Leib Christi sein;“ also auch jener: „Aus dem Brote wird der Leib Christi.“ Auf der anderen Seite sagt Ambrosius (l. c.): „Aus dem Brote wird der Leib Christi.“
b) Ich antworte, diese Wandlung im Sakramente komme einerseits überein mit dem Schaffen, andererseits mit den natürlichen Wandlungen; und doch ist sie wieder von beiden verschieden. Allen dreien sind gemeinsam die Ausdrücke, daß nämlich „nach diesem dieses sei“ (im Schaffen Sein nach Nichtsein; im natürlichen Wandeln Schwarz nach Nichtschwarz; in der Konsekration der Leib Christi nach der Substanz des Brotes), und „daß diese beiden nicht zugleich seien“. Mit dem Erschaffen nun hat die Konsekration dies gemeinsam, daß kein gemeinschaftliches Subjekt existiert, welches beide Endpunkte trage; das Gegenteil ist bei der natürlichen Umwandlung der Fall. Mit letzterer kommt die Konsekration überein: 1. Darin daß das Eine in das Andere übergeht, wie das Brot in den Leib Christi, die Luft in Feuer; während das Nichtsein nicht zum Sein übergeht. Der Unterschied in diesem Punkte bleibt jedoch, daß bei der Konsekration die ganze Substanz (Stoff und Form) des Brotes übergeht in die ganze Substanz des Leibes, während bei der natürlichen Umwandlung der Stoff des Einen aufnimmt die bestimmende Form des Andern und nur eben die Form von sich entfernt. Beides kommt 2. darin überein, daß etwas in der Verwandlung das Nämliche bleibt, was beim Erschaffen nicht statthat: in der natürlichen Verwandlung bleibt übrig der nämliche Stoff oder das nämliche Subjekt; bei der Konsekration bleiben übrig die nämlichen Accidentien.Daraus erhellt, wie man in allen diesen Fällen sprechen muß. In allen drei Fällen sind niemals die beiden Endpunkte zugleich. Also in keinem der drei Fälle kann man das Eine vom Anderen aussagen; man kann nicht sagen: „Sein ist Nichtsein“; „der Leib ist das Brot“; „die Luft ist das Feuer“. Wegen der geregelten Beziehung jedoch, welche die Endpunkte zu einander haben, kann man die Partikel ex, aus, gebrauchen, welche eben nur anzeigt die Ordnung. Wir können sagen: „Aus dem Nichtsein wird Sein“; „aus dem Brote wird der Leib Christi“; „aus dem Weißen wird das Schwarze“. Weil aber beim Erschaffen nicht das Eine übergeht in das Andere, können wir nicht sagen: „Das Nichtsein wird verwandelt in Sein.“ Wohl aber können wir so sprechen bei der Konsekration und bei der natürlichen Verwandlung. Die Konsekration nämlich hat das Eigene, daß sie transsubstantiatio genannt wird, weil da eine ganze Substanz übergeht in eine andere ganze Substanz. Weil nun weiter in der Konsekration kein gemeinschaftliches Subjekt als Träger der beiden Endpunkte bestehen bleibt, so sind da manche Sätze nicht statthaft, die bei der natürlichen Umwandlung gebraucht werden können. In letzterer nämlich bleibt der Stoff derselbe und ich kann somit sagen: „Die Luft kann Feuer sein.“ Denn das Vermögen des der Luft zu Grunde liegenden Stoffes, unter natürlicher Einwirkung von der Form des Feuers her bestimmt zu werden, bleibt immerdar dasselbe, wenn es auch unter der Form der Luft ganz der thatsächlichen Substanz nach Luft ist und unter der Form des Feuers ganz der thatsächlichen Substanz nach Feuer. Beim Erschaffen aber darf man nicht sagen: „Das Nichtsein kann (d. h. hat in sich das Vermögen) Sein werden;“ und ebensowenig: „Das Brot kann Fleisch werden.“ Und ähnlich ist es unstatthaft zu sagen: „Das Brot wird sein der Leib Christi“ oder: „Es wird der Leib Christi;“ ebenso wie: „Das Nichtsein wird Sein“ oder: „Es wird sein Sein.“ Diese Redeweise hat ihre Wahrheit einzig in den natürlichen Umwandlungen auf Grund der Gemeinsamkeit des tragenden Subjekts. Insofern jedoch im Sakramente die Accidentien dieselben bleiben, so gilt danach, d. h. nach einer gewissen Ähnlichkeit mit den natürlichen Umwandlungen, die Redeweise: „Das Brot wird sein der Leib Christi.“ Es darf da unter „Brot“ nicht die Substanz „Brot“ verstanden werden; sondern im allgemeinen das, was unter den Gestalten des Brotes enthalten ist, unter denen zuerst war die Substanz des Brotes und nachher die Substanz des Leibes Christi.
c) I. Dieses, woraus etwas wird, schließt ein manchmal dasselbe Subjekt mit einem der Endpunkte der Veränderung; wie wenn ich sage: „Aus dem Weißen wird das Schwarze;“ und so kann man sagen: „Dies wird Jenes;“ „das Weiße wird etwas Schwarzes.“ Bisweilen jedoch schließt dieses Wort „aus“ nur den Gegensatz zum anderen Endpunkte ein; wie wenn ich sage: „Aus dem Morgen wird der Tag.“ Und so ist es nicht wahr, zu sagen: „Der Morgen wird Tag.“ So nun ist es hier. Der Satz: „Das Brot wird der Leib Christi“ ist wahr nur nach einer gewissen Ähnlichkeit; insoweit, wie oben gesagt, die Accidentien bleiben. ll. Das, woraus etwas wird, das wird dieses wegen des Subjekts, welches dasselbe bleibt. Hier in der Konsekration aber ist kein gemeinsames Subjekt. III. Im Erschaffen besteht bloß diese eine Schwierigkeit, daß Etwas aus Nichts wird; und doch gehört dies auch wieder der Natur der erstenUrsache an, daß sie nichts in ihrem Wirken voraussetzt. Hier aber im Sakramente ist nicht nur diese Schwierigkeit, daß dieses Ganze verwandelt wird in jenes Ganze, so daß nicht das Mindeste vom ersten zurückbleibt (was nicht der gewöhnlichen Art und Weise hervorzubringen seitens der ersten Ursache entspricht); sondern auch diese andere Schwierigkeit besteht noch, daß die Accidentien bleiben, nachdem die Substanz entfernt ist; und vieles Andere findet sich noch da, was schwierig ist und worüber des weiteren im Folgenden. Der Ausdruck „Verwandlung“ aber ist geeignet für dieses Sakrament, nicht für das Erschaffen. V. „Vermögen“ gehört mit zum Subjekte oder Träger, von dem in dieser Verwandlung nicht die Rede ist. Jedoch wird zugegeben, daß „Brot sein kann der Leib Christi;“ nicht mit Rücksicht auf das im Brote ruhende Vermögen, sondern mit Rücksicht auf Gottes wirkende Macht.
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