Dritter Artikel. Auch Sünder können das Sakrament der Eucharistie nehmen.
a) Dem wird widersprochen. Denn: I. Augustin schreibt (tract. 25. in Joan.): „An die Zähne und den Bauch denkst du, wenn du von Essen hörst? Glaube; und du hast gegessen. Denn glauben an Ihn heißt lebendiges Brot essen.“ Der Sünder aber glaubt nicht; denn er hat keinen durch die Liebe geformten Glauben (vgl. II., II. Kap. 4, Art. 5.). Also ißt er nicht dieses Sakrament, das da ist lebendiges Brot. II. Dieses Sakrament heißt das Sakrament der heiligen Liebe. Wie aber die ungläubigen des Glaubens ermangeln, so der Liebe die Sünder. Die ungläubigen nun dürfen dieses Sakrament nicht nehmen, da in der Form desselben gesagt wird: „Mysterium des Glaubens.“ Also gilt dasselbe für die Sünder. III. Der Sünder ist vor Gott abscheulicher wie ein unvernünftiges Tier, nach Ps. 48.: „Der Mensch hat es nicht verstanden, als Er in Ehren war; er ist geworden wie ein unvernünftiges Tier.“ Ein solches aber, z. B. ein Hund, kann nicht das heiligste Sakrament nehmen, wie auch nicht es die Taufe empfangen kann. Also können dies auch nicht die Sünder. Auf der anderen Seite erklärt zu Joh. 6. (Patres vestri manducaverunt manna et mortui snnt) Augustin (26. in .loan.): „Viele empfangen vom Altare; sie empfangen und sterben deshalb; deshalb sagt der Apostel: Das Gericht ißt er sich und trinkt er sich.“ Also auch die Sünder empfangen die Eucharistie.
b) Ich antworte, dies sei ein Irrtum, was einige meinten, daß sobald das Sakrament die Lippen eines Sünders berühre, der Leib Christi, welcher unter den Gestalten enthalten ist, verschwinde. Denn dies ist gegen die Wahrhaftigkeit dieses Sakramentes, wonach, so lange die Gestalten verharren, der Leib Christi darunter gegenwärtig bleibt. Die Gestalten aber dauern fort, so lange die Substanz des Brotes andauern würde, wenn sieda zugegen wäre (Kap. 77, Art. 5 u. 8.). Da also die Gestalten so lange im Sünder bleiben, bis sie durch die natürliche Wärme aufgelöst werden, bleibt auch eben so lange der Leib Christi. Also in sakramentaler Weise kann der Sünder den Leib Christi zu sich nehmen und nicht der gerechte allein.
c) I. Da ist die geistige Speisung gemeint, die den Sündern nicht zukommt. Aus dieser Stelle scheint der Irrtum veranlaßt worden zu sein, da nicht unterschieden wurde zwischen der rein sakramentalen und der geistigen Speisung. II. Der ungläubige, wenn er die sakramentalen Gestalten nimmt, ißt den Leib Christi in der Weise des Sakramentes von seiten des Sakramentes her betrachtet; denn Christus bleibt gegenwärtig. Aber von seiten des essenden her ist es keine sakramentale Speisung; denn er gebraucht das, was er genießt, nicht als Sakrament, sondern als einfache Speise. Es müßte denn der ungläubige die Absicht haben zu empfangen das, was die Kirche giebt, wenn er auch nichts Bestimmtes mit Bezug darauf glaubt. III. Mag auch ein Hund oder eine Maus die konsekrierte Hostie essen, Christi Leib bleibt gegenwärtig, so lange die Gestalt bleibt. Und dies schadet nicht der Würde Christi, der ja von den Sündern wollte gekreuzigt werden, ohne daß seine Würde darunter litt; zumal ein solches Tier den Leib Christi nicht berührt nach dessen eigener menschlicher Gestalt, sondern in den sakramentalen Gestalten. Sagen, der Leib Christi höre auf, gegenwärtig zu sein, sobald eine Maus etc. ihn berührt, ist gegen die Wahrhaftigkeit des Sakramentes. Nicht jedoch genießt ein solches Tier in sakramentaler Weise den Leib Christi, denn es ist von Natur nicht geeignet, denselben so zu gebrauchen; sondern es nimmt ihn, wie wenn jemand eine konsekrierte Hostie nimmt in der Meinung, sie sei nicht konsekriert. Es ist dies etwas völlig Zufälliges, d. h. von außen zum Sakramente Hinzutretendes.
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