Erster Artikel. Dem Amte des Priesters gehört im eigentlichsten Sinne die Konsekration zu.
a) Dem steht Folgendes entgegen: I. Kraft der sakramentalen Worte wird konsekriert (Kap. 78, Art. 4.). Diese aber bleiben die gleichen, ob sie von einem Priester ausgesprochen werden oder von einem anderen. II. Der Priester konsekriert in der Person oder als Stellvertreter der Person Christi. Jeder Laie aber ist mit Christo durch die heilige Liebe geeint. Deshalb sagt Chrysostomus (hom. 43. in Matth. op. imp.): „Jeder heilige ist Priester.“ III. Die Taufe wirkt ebenso zum Heile der Seelen wie die Eucharistie. Jeder Laie aber kann gültig taufen; also auch konsekrieren. IV. Dieses Sakrament besteht in der Konsekration der Materie. Andere aber, weniger werte Dinge, wie das Chrisma oder das heilige Öl zu konsekrieren, ist das Amt des Bischofs; — also um so mehr die Konsekration des Leibes Christi. Auf der anderen Seite heißt es decret. dist. 25. cap. Perlectis: „Sache des Priesters ist es, den Leib und das Blut des Herrn am Altare zu konsekrieren.“
b) Ich antworte; dieses Sakrament schließe eine solche Würde in sich ein, daß es nur in der Person Christi vollendet werden, daß nämlich Christus allein unsichtbarerweise konsekrieren kann. Wer aber die Person eines anderen vertritt, kann dies nur thun kraft einer zu diesem Zwecke anvertrauten Gewalt, also kraft eines dazu ihm gewordenen Auftrages. Wie nun dem getauften von Christo die Gewalt verliehen wird, dieses Sakrament des Altars zu empfangen; so wird dem Priester durch die Weihe von Christo die Gewalt, in der Person Christi dieses Sakrament zu konsekrieren. Denn durch die Weihe wird er zur Stufe jener erhoben, denen gesagt worden: „Thuet dies zu meinem Gedächtnisse.“ Nur also der Priester kann konsekrieren.
c) I. Die Kraft zu konsekrieren ist nicht in den sakramentalen Worten allein, sondern auch in der vom Bischofe dem Priester übertragenen Weihegewalt, da zu ihm gesagt wurde: „Empfange die Gewalt, das Opfer in der Kirche darzubringen sowohl für die lebenden wie für die toten.“ II. Der gerechtfertigte Laie ist mit Christo verbunden im Glauben und in der heiligen Liebe; nicht aber in der Weihegewalt. Er hat also das geistige Priestertum, damit er geistige Opfer darbringe, nach Ps. 50.: „Ein Opfer Gott gegenüber ist ein zerknirschter Geist;“ und Röm. 12.:„Bringet euere Leiber dar als lebendige Opfergabe;“ oder nach I. Petr. 2.: „Ein heiliges Priestertum, darzubringen geistige Opfer.“ III. Das Empfangen dieses Sakramentes ist nicht von so hoher Notwendigkeit wie die Taufe. IV. Der Bischof erhält in der Weihe die Gewalt, in der Person Christi einzuwirken auf den mystischen Körper Christi, d. h. die Kirche. Diese Gewalt empfängt der Priester als eine thatsächlich anwendbare nicht in seiner Weihe; der Bischof erst muß sie ihm wirklich anvertrauen. Was also nicht zur Leitung des mystischen Körpers gehört, wird nicht dem Bischöfe vorbehalten, wie die Konsekrierung dieses Sakramentes. Wohl aber ist es Sache des Bischofs, nicht nur dem Volke sondern auch den Priestern das zu geben, auf Grund dessen sie ihres Amtes walten können. Weil also die Weihe des Chrisam, des heiligen Öles, des Altares, der Kirche dazu gehört, daß man entsprechend die Sakramente verwalten kann; deshalb sind diese Weihen dem Bischöfe, wie dem Fürsten gleichsam in der kirchlichen Ordnung, vorbehalten.
