Dritter Artikel. Es soll dieses Sakrament gefeiert werden in einem Hause und in heiligen Gefäßen.
a) Dies ist nicht nötig. Denn: I. Dieses Sakrament stellt das Leiden Christi vor. Christus aber litt unter freiem Himmel und außerhalb der Stadtthore (Hebr. 12.). Also muß dementsprechend dieses Sakrament gefeiert werden. II. Christus hat nicht in einem konsekrierten Hause, sondern in einem gewöhnlichen Speisesaale dieses Sakrament eingesetzt (Luk. 22.). Auch von den Aposteln heißt es (Act. 2.): „Sie verblieben einträchtig im Tempel und brachen das Brot in den Häusern der Reihe nach und nahmen Speise mit Jubel.“ Also muß die Kirche dies nachahmen und soll keine eigenen Tempel konsekrieren. III. Zwecklos scheint ein Haus oder ein Altar oder sonst leblose Sachen konsekriert zu werden, da sie nicht geeignet sind, Gnade in sich aufzunehmen. Die Kirche Gottes soll aber nichts Zweckloses thun oder vorschreiben. IV. Die Werke Gottes allein sollen feierlich in Erinnerung gebracht werden, nach Ps. 91.: „In den Werken Deiner Hände will ich betrachten.“ Die Kirche oder der Altar aber werden durch menschliche Mühe konsekriert, wie auch die Kelche, Priester etc. Da nun kein Fest gefeiert wird zum Gedächtnisse dieser letzteren Weihungen oder Konsekrationen, so dürfte auch die Kirchweihe nicht alle Jahre feierlich begangen werden. V. Die Wahrheit soll der Figur entsprechen. Im Alten Testamente aber, der Figur des Neuen, wurde der Altar nicht erbaut aus gehauenen Steinen (Exod. 20, 24.). Und Exod. 27. wird geboten, der Altar solle aus Holz gemacht und mit Erz oder Gold umzogen werden. Also ist esnicht zulässig, daß die Kirche will, die heilige Messe solle auf einem Altare von Stein gefeiert werden. Vl. Der Kelch und die Patene stellen vor das Grab Christi. Dieses aber war in den Felsen gehauen. Also müßte der Kelch nicht aus Gold oder Silber angefertigt werden, sondern aus Stein gehauen sein. VII. Wie das Gold kostbarer ist als die übrigen Metalle, so ist die Seide kostbarer als die übrigen Stoffe. Also sollten die Korporalien, Pollen, entsprechend dem Kelche, aus Seide angefertigt werden. VIII. Die Verwaltung der Sakramente und alles dazu Gehörige geht die Kirche und deren Diener, wie die Verwaltung der zeitlichen Dinge den König und dessen Beamten an; nach 1. Kor. 4, 1. Wenn aber im Bereiche des Zeitlichen etwas gegen die Bestimmungen der Obrigkeit geschieht, so ist dies wie nicht geschehen zu betrachten. Also müßte auch im Bereiche des Geistigen das nicht gültig sein, was geschieht unter Mißachtung der kirchlichen Vorschriften; und so wären die Worte Christi nicht genügend wirksam in diesem Sakramente, sondern noch Anderes wäre zu dessen gültigem Bestehen notwendig. Das ist aber unzulässig. Also ist es unzulässig, daß überhaupt solche Vorschriften für die Feier der heiligen Messe von den kirchlichen Behörden ausgegangen sind. Auf der anderen Seite haben die kirchlichen Vorschriften Geltung, als ob Christus selbst sie gegeben, nach Matth. 18.: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“
b) Ich antworte, unter zwei Gesichtspunkten müsse Alles, was der Feier dieses Sakramentes dient, betrachtet werden: 1. daß dasselbe ein Bild des Leidens Christi darstellt; und 2. daß hohe Ehrfurcht diesem Sakramente gebührt, in welchem Christus selbst enthalten ist. Unter diesem zweifachen Gesichtspunkte werden die Dinge, welche der Eucharistie unmittelbar dienen, konsekriert; sie sollen die Heiligkeit ausdrücken als Wirkung des Leidens Christi und lehren dieses Sakrament zu ehren.
c) I. Dieses Sakrament muß in der Regel gefeiert werden „im Hause Gottes, das da ist die Kirche des lebendigen Gottes“ (1. Tim. 3.). Und weil die Kirche nicht zu beschränken war aus das Judenvolk, sondern auf die ganze Welt auszudehnen; deshalb hat Christus nicht gelitten innerhalb der Hauptstadt der Juden, sondern außen vor der ganzen Welt, damit sich die ganze Welt zum Leiden des Herrn verhalte wie ein Haus. Jedoch heißt es de cons. dist. l., cap. Concedimus: „Wir gestatten denen, die auf Reisen sind, daß sie, wenn eine Kirche fehlt, entweder unter freiem Himmel oder in einem Zelte, sobald nur ein konsekrierter Altarstein und alles Übrige zu den heiligen Mysterien Notwendige vorhanden ist, das heilige Messopfer feiern.“ II. Das Haus, in dem dieses Sakrament gefeiert wird, bezeichnet die Kirche Gottes und wird danach auch benannt. Sie wird konsekriert, um damit die Heiligkeit auszudrücken, deren die Kirche teilhaft geworden ist durch das Leiden Christi; und um jene Heiligkeit zu bezeichnen, welche in den Empfängern dieses Sakramentes erfordert wird. Der Altar nun bedeutet Christum selber, über , den der Apostel (Hebr. ult.) sagt: „Durch Ihn bringen wir das Lobopfer dar Gott dem Herrn.“ Die Konsekration des Altars also bedeutet die Heiligkeit des Herrn, von der es heißt (Luk. 1.): „Was aus dir geboren werden wird, das Heilige, wird Gottes Sohn genannt werden.“ Darum wird de cons. dist. cap. 32. gesagt: „Es gefiel, daß die Altäre geheiligt werden nicht allein durch die Salbung mitChrisam, sondern auch durch den Segen des Priesters.“ In der Regel also darf dieses Sakrament gefeiert werden nur in einem konsekrierten Hause, nach l. c. c. 15. Und weil die Heiden und überhaupt die ungetauften nicht zur Kirche gehören, darum heißt es l. c. c. 28.: „Eine Kirche, in welcher die Leiber der ungläubigen begraben worden sind, soll man nicht weihen. Und scheint sie dazu geeignet, so sollen die da begrabenen Leiber zuvörderst entfernt werden; man soll die Wände und Ähnliches, wo sie gewesen sind, zerstören und von neuem aufbauen. War eine solche Kirche aber früher geweiht, so kann man in derselben die heilige Messe feiern, jedoch müssen die in ihr begrabenen dem Glauben angehört haben.“ Ersteht indessen ein dringendes Bedürfnis, so kann mit Zustimmung des Bischofs auch in nicht konsekrierten Häusern Messe gelesen werden, nach l. c. c. 12.; jedoch nie ohne einen konsekrierten Altarstein (l. c. c. 30.). Denn weil die Heiligkeit Christi die Quelle aller Heiligkeit in der ganzen Kirche ist, so genügt im Falle der Not ein konsekrierter Altar; weshalb auch niemals eine Kirche konsekriert wird, ohne daß ein Altar darin mit konsekriert würde. Umgekehrt aber wird bisweilen ein Altar (Altarstein) für sich allein konsekriert, ohne daß dabei eine Kirche konsekriert würde; und es werden in einen solchen Altar Reliquien von heiligen verborgen, „deren Leben verborgen war mit Christo in Gott“ (Kol. 3.), nach l. c. cap. 26. III. Die Kirchen, Altäre und dergleichen Dinge werden geweiht, weil sie durch die Weihe eine gewisse geistige Kraft erhalten, durch welche sie geeignet werden für den Kult Gottes; daß nämlich die gläubigen daraus eine gewisse Andacht schöpfen und bereitwilliger seien für göttliche Dinge, wenn nicht ihre eigene Unehrerbietigkeit solche Wirkungen hindert. Darum heißt es auch 2. Makk. 3.: „Wahrhaft die Kraft Gottes ist in diesem Orte;“ denn Er, „der im Himmel wohnt, besucht und erfreut mit seinem Beistande diesen Ort.“ Dies ist der Grund, daß Derartiges vor der Konsekration gereinigt und exorcisiert wird, damit man die Kraft des Feindes daraus entferne. Aus demselben Grunde werden Kirchen, welche durch Blutvergießen oder durch menschlichen Samen verunreinigt worden sind, wieder gesühnt. Denn durch die da begangene Sünde erscheint daselbst eine Wirksamkeit des bösen Feindes: „Die Kirchen der Arianer,“ heißt es sonach l. c. c. 21., „weihet, wo auch immer ihr solche findet, zu katholischen ohne jeden Verzug.“ Wahrscheinlich ist also dies auch, was einige meinen, daß der Mensch durch den Eintritt in eine konsekrierte Kirche den Nachlaß der läßlichen Sünden erhalte; sie führen dafür die Worte des Ps. 84. an: „Du hast gesegnet Deine Erde, nachgelassen hast Du die Missethat Deines Volkes.“ Auf Grund der Kraft also, welche eine Folge der Konsekration ist, wird keine Kirche von neuem konsekriert. So bestimmt auf dem Konzil von Nicäa l. c. der Kanon cap. 20.: „Sind Kirchen einmal Gott geweiht, so dürfen sie nicht von neuem konsekriert werden; sie wären denn vom Feuer sehr mitgenommen oder durch Blut oder Samenvergießen verunreinigt worden. Denn wie das Kind, das da, von welchem Priester auch immer, im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes getauft worden, nicht wieder getauft wird; so darf außer ob der erwähnten Ursachen ein bereits Gott geweihter Ort nicht wieder von neuem geweiht werden, vorausgesetzt immer daß die ihn weihten den Glauben an die heilige Dreieinigkeit hatten;“ denn wer außerhalb der Kirche ist, kann nicht konsekrieren. Ist es aberzweifelhaft, ob eine Kirche oder ein Altar konsekriert worden ist; so soll die Konsekration stattfinden, nach l. c. cap. 18. Weil also durch die Konsekration die entsprechenden Gegenstände eine gewisse geistige Kraft erhalten, so „soll das Holz einer Gott geweihten Kirche nicht zu Anderem je verwandt werden, außer etwa wieder für eine Kirche oder für den Gebrauch von Brüdern eines Klosters oder man soll es verbrennen; es sollen die Laien nichts Anderes daraus machen können“ l. c. cap. 38 ). Und: „Die Altartücher, die Kanzel, die Leuchter, die Vorhänge und Derartiges soll man verbrennen, falls diese Dinge unbrauchbar geworden. Die Asche soll man ins Sakrarium oder an einen aparten Ort werfen, damit sie nicht verunreinigt werde durch die Füße der eintretenden.“ IV. Weil die Konsekration des Altars die Heiligkeit Christi, die eines Hauses die Heiligkeit der ganzen Kirche vorstellt; deshalb wird das Andenken an diese Konsekration feierlich jedes Jahr begangen. Durch acht Tage dauert die Feier, um auf die selige Auferstehung Christi und der Glieder der Kirche hinzudeuten. Auch ist die Altar- oder Kirchweihe nicht das Werk eines Menschen allein, da ja eine geistige Kraft dadurch mitgeteilt wird (l. c. cap. 16.). V. „Sind die Altäre nicht von Stein, so sollen sie nicht mit Chrisam gesalbt werden“ (l. c. cap. 31.). Denn es steht geschrieben: „Der Fels aber war Christus“ (1. Kor. 10.) und der Altar bedeutet die Heiligkeit Christi. Zudem ward in ein in den Felsen gehauenes Grab Christi Leib gelegt. Endlich kommt Stein als fest und dauerhaft dem Spenden der Sakamente zu und kann überall leicht gefunden werden; was im Alten Testamente nicht notwendig zu berücksichtigen war, da nur an einem Orte man einen Altar damals benötigte. Es war verboten, den Altar aus Erde oder Stein zu machen, damit man dem Götzendienste keinen Anlaß biete. VI. „Einstmals gebrauchten die Priester nicht goldene, sondern hölzerne Kelche. Zephyrinus bestimmte, man solle mit gläsernen Patenen die Messe feiern. Urbanus schrieb vor, es sollte Alles von Silber sein“ (l. c. cap. Vasa). Nachher ward bestimmt (c. 45.), „daß der Kelch mit der Patene entweder ganz aus Gold sei oder aus Silber oder wenigstens aus Zinn. Aus Kupfer und Messing solle er nicht sein, weil wegen der Kraft des Weines da leicht Rost erzeugt und Erbrechen verursacht wird. Keiner soll in einem Kelche aus Holz oder Glas konsekrieren;“ denn das Holz hat zu viele Poren, so daß das heilige Blut darin bliebe, Glas und Stein ist zu zerbrechlich. VII. Wo sie konnte, hat die Kirche in ihren Bestimmungen vorgesorgt, daß das Leiden Christi recht ausdrücklich vorgestellt werde. Nun war beim Körper, der auf das Korporale gelegt wird, die Gefahr nicht so groß wie beim Blute, der im Kelche enthalten ist. Der Kelch also ist nicht aus Stein; das Korporale aber ist aus Leinen, weil der Leib Christi in Leinen gehüllt wurde. Darum sagt Papst Silvester (l. c. cap. 46.): „Nach reiflicher Überlegung stellen wir fest, es soll das Opfer am Altare niemand aus einem Korporale von Seide oder aus farbigem Stoffe, sondern aus Leinen feiern, das der Bischof konsekriert hat; denn der Leib des Herrn ward in reines Leinen gehüllt und so begraben.“ Die blendende Reinheit des Leinens deutet zugleich hin auf die Reinheit des Gewissens; und die vielfache Arbeit, mit welcher das Leinen hergestellt wird, aufdas Leiden Christi. VIII. Die Diener der Kirche haben nichts zu sagen rücksichtlich derForm der Konsekration von Brot und Wein; sondern nur rücksichtlich der Spendung und der Art und Weise der Feier dieses Sakramentes. Wenn also der Priester ohne all das hier Erwähnte die Worte der Form spricht über die gehörige Materie und mit der gebührenden Absicht, so konsekriert er in aller Wahrheit den Leib des Herrn; aber er sündigt schwer, weil er den Ritus der Kirche nicht wahrt.
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