Dritter Artikel. Das Firmament und das Teilen der Wasser von den Wassern.
a) Es scheint nicht, daß das Firmament die Wasser von den Wassern ieilt. Denn: I. Jeder Körper hat gemäß seiner Gattungsstufe auch seinen natürlichen Ort. Jedes Wasser hat aber mit dem anderen die Gattungsstufe gemeinsam, wie Aristoteles sagt, (1 Topic. cap. 6.) Also darf kein Unterschied zwischen Wassern aufgestellt werhen gemäße dem Orte. II. Sind aber die Wasser über dem Firmamente von denen unter selbem der Gattungsstufe nach unterschieden, so bedarf es keines anderm unterscheidenden Momentes. Es bedarf also nicht eines Firmamentes, um sie zu scheiden. III. Jenes scheint Wasser von Wasser zu scheiden, was auf beiden Seiten vom Wasser berührt wird; wie ein Damm mitten im Flusse. Die tieferen Wasser aber steigen nicht auf bis zum Firmamente, daß sie dieses berührten. Also scheidet letzteres auch nicht. Auf der anderen Seite steht die Autorität der Gen. (1, 6.): „Es werde das Firmament mitten in den Wassern und teile die Wasser von den Wassern.“
b) Ich antworte, daß, wer nur oberflächlich die Genesis liest, eine solche Meinung bekommen könnte wie einige alte Philosophen sie hatten. Sie nahmen an, das Wasser sei ein gewissermaßen endloser Körper und er sei das Princip von allen Körpern. Es könnte also jemand meinen, der „Abgrund“ bei Moses bedeute die Unendlichkeit des Wassers. Sie nahmen auch an, daß der sichtbare Himmel nicht alles Körperliche unter sich hat; sondern daß über ihm noch unendliche Wassermengen bestehen. Und in dieser Weise könnte man meinen, das Firmament teile die äußeren sichtbaren Wasser von den inneren unsichtbaren. Diese Annahmen aber verwirft schon die reine Vernunft; sie können also nicht in der Schrift begründet, sein. Moses aber sprach zu einem rohen Volke und legte ihnen vor, wie sie verstehen konnten. Daß nun Wasser und Erde Körper sind, das begreift jeder. Die Luft aber hielten sogar manche Philosophen nicht für einen Körper und nannten das „leer“, wo nur Luft war. Deshalb erwähnt Moses, damit man den Herrn für den Schöpfer der Körperwelt halte, wohl Wasser und Erde, nicht aber die Luft. Er deutet jedoch auf die Luft hin für Klügere; indem er sagt: „Finsternis lag auf dem Abgrunde.“ Denn damit deutete er an, über dem Wasser sei ein durchscheinender Körper, der Träger des Lichtes oder der Finsternis sein könnte. Mag also als Firmament der Sternenhimmel betrachtet werden oder die Wolkenschicht in der Luft, so wird doch immer passenderweise gesagt, „es scheide die Wasser von den Wassern,“ insofern unter den Wassern der formlose Stoff verstanden wird oder insofern alle durchscheinenden Körper mit dem allgemeinen Namen „Wasser“ bezeichnet sind. Denn der Sternenhimmel trennt die durchscheinenden Körper oben von den durchscheinenden unten; die dichte Wolkenschicht aber trennt den höheren Teil der Luft, wo Regen und derartiges erzeugt wird, von dem tieferen, der mit den Wassern in Verbindung steht.
c) I. Ist das Firmament der Sternenhimmel, so haben die beiderseitigen Wasser nicht die Natur oder Gattung gemeinsam. Ist aber das Firmament die Wolkenschicht, so sind den Wassern einer und derselben Natur zwei Orte angewiesen; jedoch unter verschiedenen Gesichtspunkten. Denn der eine Ort ist dafür vorhanden, daß Wasser erzeugt wird; der andere dafür, daß das Wasser ruht. II. Sind die Wasser verschiedener Natur, so scheidet das Firmament; nicht als ob es die verschiedene Gattung bewirkte, sondern als Grenzpunkt beider. III. Moses versteht unter Wasser auch die Luft und ähnliches; und nannte sie nur nicht wegen ihrer Unfichtbarteit. Also ist Wasser auf beiden Selten des Firmaments.
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