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Œuvres Thérèse d'Avila (1515-1582) Berichte und Gunstbezeigungen der hl. Theresia
II. Gunstbezeigungen Gottes

39.

Am Vorabende des Festes des hl. Laurentius war nach der Kommunion mein Geist so zerstreut und ausgegossen, daß ich mir gar nicht helfen konnte und anfing, die Einsiedler der Wüste zu beneiden, die nichts sehen und hören und die mir darum auch keine Zerstreuung zu haben schienen. Da vernahm ich die Worte: »Du täuschest dich sehr, meine Tochter; jene haben vielmehr noch heftigere Versuchungen von seiten des bösen Feindes auszustehen. Habe Geduld, denn in diesem Leben geht es nicht anders.« Darauf ward mir plötzlich eine solche innere Sammlung zuteil, und ich ward mit einem so klaren Lichte erfüllt, daß ich meinte, in einer anderen Welt zu sein. Mein Geist befand sich innerlich in einem sehr lieblichen, mit Bäumen bepflanzten Lustgarten, der mich an die Worte des Hohenliedes erinnerte: Veniat dilectus meus in hortum suum. Hier sah ich meinen Elisäus aber nicht mit schwarzem, sondern mit einem außerordentlich schönen Antlitze. Auf seinem Haupte trug er ein mit Edelsteinen reich geziertes Diadem, und eine große Schar Jungfrauen zog vor ihm her; sie alle hatten Baumzweige in ihren Händen und sangen Lieber zum Preise Gottes. Wenn mich etwas hätte zerstreuen können, so war es nur, daß ich die Augen öffnete; aber dies vermochte nicht meine Aufmerksamkeit auf diese Erscheinung zu stören; vielmehr glaubte ich auch noch einen Gesang von Vögeln und Engeln, aber nicht mit leiblichen Ohren zu vernehmen, an dem sich meine Seele ergötzte. Während ich mich dieser Freude überließ, wobei ich nicht sah, daß etwa noch ein anderer Mensch zugegen gewesen wäre, vernahm ich die Worte: »Dieser hat es verdient, unter euch zu sein. Die ganze Festlichkeit, die du hier schauest, wird an dem Tage stattfinden, den er zum Lobe meiner Mutter einsetzen wird. Eile, wenn du an den Ort kommen willst, wo er sich befindet!« Diese Vision, die verschieden war von den anderen, dauerte über anderthalb Stunden, während der die Freude, die ich empfand, mir nicht gestattete, mich etwas anderem zuzuwenden. Ich gewann daraus eine noch größere Liebe zu Elisäus, und er war von da an meinem Geiste in jener Schönheit häufiger gegenwärtig als sonst. Eine Einbildung war hier nicht möglich; nur fürchtete ich, das Ganze möchte eine Versuchung (vom bösen Feinde) gewesen sein.

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Berichte und Gunstbezeigungen der hl. Theresia

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