58.
Ich hatte in der Stadt, in der ich mich eben aufhalte, bei einem Manne zu beichten begonnen, der mir, seitdem er die Leitung meiner Seele übernommen hatte, große Liebe entgegenbrachte und seinen guten Willen an den Tag legte; allein er kam nicht mehr hierher, um meine Beichte zu hören. Als ich mich einst nachts im Gebete befand und darüber nachdachte, wie notwendig ich seiner Ratschläge bedürfte, vernahm ich, daß Gott dies veranlaßt habe, weil es für mich gut sei, über die Angelegenheiten meiner Seele mich mit einem anderen Beichtvater dieser Stadt zu besprechen. Mir fiel es schwer, mit einem neuen Beichtvater in Verkehr zu treten, der mich vielleicht nicht verstehen und mich in Verwirrung stürzen könnte, während ich einen mir ergebenen Freund verlassen mußte. Indessen empfand ich, so oft ich letzteren sah oder predigen hörte, eine geistige Freude; aber da er so vielfach beschäftigt war, so hielt ich es für unpassend, mich an ihn zu wenden. Da sprach der Herr zu mir: »Ich werde bewirken, daß er dich anhört und versteht; lege ihm deine Schwierigkeiten dar, und er wird dir beistehen in deinen Prüfungen.« Das letzte Wort war ganz nach meinem Sinn, da ich damals recht darüber betrübt war, daß ich Gott so ferne stehe. Seine Majestät sprach damals auch noch zu mir: »Ich kenne die Prüfung, in der du dich befindest, recht gut; allein es kann nicht anders sein, solange du in dieser Verbannung lebst; all das gereicht dir zum größten Heil.« Dieses Wort tröstete mich sehr. Es ist alles eingetroffen, wie es mir verkündet worden war. Dieser Beichtvater kommt gern, und er weiß seine Zeit dafür gut einzuteilen; er hat meine Seele verstanden und mir großen Trost bereitet.