2.
Mein Gott und mein Erbarmer! Was soll ich tun, daß ich die Wunder der Gnade, die du an mir wirkst, nicht zerstöre? Deine Werke sind heilig, gerecht und von unschätzbarem Werte; sie sind höchst weise, da du, o Herr, die Weisheit selbst bist. Beschäftigt sich mein Verstand mit der Betrachtung deiner Weisheit, so beklagt sich der Wille; denn er möchte in der Übung der Liebe zu dir nicht gestört werden. Bei solcher unendlichen Erhabenheit vermag der Verstand nicht zu erfassen, was sein Gott ist; der Wille aber verlangt nach seinem Genusse, sieht sich jedoch außerstande, dahin zu gelangen, solange er noch in diesem peinlichen Gefängnisse, in diesem sterblichen Leben weilt. Alles wird ihm hier zum Hemmnisse, obwohl ihm anfänglich durch die Betrachtung deiner Vollkommenheiten Hilfe wurde; denn in diesen treten meine unzählbaren Armseligkeiten um so deutlicher zutage.
